Tageblog 26. Juli 2016

26. Juli 1956 sinkt die „Andrea Doria“, nachdem sie 11 Stunden vorher mit dem schwedischen Passagierschiff „Stockholm“ vor der Küste von Nantucket kollidiert war

 

„Alles klar auf der Andrea Doria“¹

bis

um 23:10 Uhr am 25. Juli 1956

 

Betsy, Martha und Ann haben schon ihre Koffer gepackt und sitzen noch zu einem letzten Glas Sherry in einer der Bars auf dem 1. Klasse Deck. Während ihre Männer sich zum rauchen in den Salon zurückgezogen haben, hat sich der Kapitän zu den Damen gesellt und hört sich an, was am morgigennTag, nachdem sie in New York angekommen sind, noch auf dem Programm steht. Betsy kehrt nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich wieder nach New York zurück, um hier ein Engagement am Theater anzunehmen. Ann, die mit ihren Mann, dem Bürgermeister von Philadelphia auf Urlaub in Italien war, wird noch einen Abstecher bei ihrer Schwester in Atlantic City machen, bevor sie wieder in das etwas langweile Leben an der Seite ihres Gatten zurückkehrt. Martha, die mit ihrem Mann bei ihrer Familie in Schweden war, wird, wenn sie wieder zu Hause angekommen ist, ein Studium der Psychologie aufnehmen. Sowohl die Ärzte in New York als auch in Europa haben ihr bestätigt, dass sie keine Kinder wird bekommen können. Der Kapitän selbst wird sich einige Zeit in New York aufhalten, bis er als Passagier wieder nach Italien zurückreist. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Frauen wollen nicht schlafen, sondern die letzte Nacht an Bord ausgiebig geniessen. Sie entschliessen sich noch zu einem letzten Bad im Schwimmbecken auf dem Oberdeck. Der Kapitän weist sein Personal an, darauf zu achten, dass es den Damen an nichts fehlt. Während diese sich zu ihren Kabinen begeben, um sich ihr Badekostüm anzulegen, überbringt der Kapitän die Nachricht vom Ausflug der Frauen ihren Männern in den Salon. Martha ist als erste wieder an Deck und breitet ihr Handtuch auf dem Deckchair aus. Noch in den Bademantel gehüllt, fröstelt es sie. Sie kann sich gerade gar nicht vorstellen, den warmen Mantel abzulegen und in’s Wasser zu springen. Aber Ann und Betsy stecken sie an mit ihrem fröhlichen Gejauchze, sodass sie doch die schnelle Methode wählt und vom Beckenrand kopfüber in das kühle Wasser gleitet. Bei dem Kellner, der sich nach ihrem Befinden erkundigt, bestellen sie eine Flasche Champagner. Prustend und gickelnd ziehen sie ihre Bahnen und sind eigentlich froh, als der Champangner mit den drei Gläsern auf einem Tisch am Beckenrand serviert wird. Eingewickelt in Bademäntel und Decken liegen sie auf den Liegestühlen und prosten sich zu. Martha hat ihre Zigaretten in der Kabine vergessen. Soll sie jetzt den Kellner rufen? Sie beschliesst, selbst nach unten zu gehen und sich auch schon ein wenig umzuziehn, da es wirklich frisch ist. Leider sind keine Sterne am Himmel zu sehen, vielmehr fährt das Schiff schon seit geraumer Zeit durch Nebel. Eine unwirkliche Situation, wie in einem Wattebausch fährt die Andrea Doria durch die Nacht. Als Matha in ihrer Kabine ankommt, wird ihre Kabine durch den Bug der „Stockholm“ auseinandergeschnitten. Martha wird durch das Loch von dem eindringenden Wasser nach außen geschleudert. Sie ist sofort tot. Ihre Leiche versinkt im Meer und wird nie geborgen.

 

¹“Alles klar auf der Andrea Doria“, Schallplatte und Lied von Udo Lindenberg & dem Panikorchester von 1973

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.