Tageblog 15. August 2016

15. August   Mariä Himmelfahrt röm.-kath. Festtag

Danke Fátima

So viele Kräuter haben sie gesammelt. Bestimmt zwanzig verschiedene. Nur die Namen kriegt Peter nicht mehr alle zusammen. Was ihm noch einfällt ist Königskerze, Thymian, Pfefferminze, Kamille, Spitzwegerich, Arnika, Haselnuss, Salbei, Wermut und…
Mama, Musa kommt doch mit, oder?
Die Mutter nickt Jetzt aber los, sonst kommen wir zu spät. Monika legt dem Jungen den Rosenkranz von Oma in die Hand und die Klarinette in den Kofferraum. Die Familie quetscht sich in‘ s Auto. Seit Musa bei ihnen wohnt, ist es auf der Rückbank etwas eng. Aber wegen des Flüchtlingsjungen ein anderes Auto kaufen, geht doch zu weit. Da müssen alle mal ein Auge zudrücken. Peter dreht an der Fensterkurbel. Der Kräuterstrauß verströmt einen betäubenden Duft. Der Fahrtwind tut gut. In Lindau angekommen, parken sie und gehen zum Schiffsanleger. Mehrere tausend Menschen nehmen an der Schiffsprozession teil. Zwei Stunden dauert die Faht auf dem Bodensee. Monika und die Zwillinge suchen die Mitglieder ihrer Musikkapelle. Björn und die Jungs stellen sich zu den „normalen“ Pilgern, die in langen Schlangen an den Einlässen stehen.  Endlich auf dem Schiff sitzen sie dicht an dicht.  Peter kann sehen wie Mama ihren Platz hinten auf dem Oberdeck einnimmt. Die Boote fahren gleich alle zu der Stelle im See, an der ein Italiener früher mal eine Muttergottesfigur versenkt hat. Auf der Fahrt dahin beten wir den Rosenkranz, weißt du, die Kette, die Mama dir gegeben hat. Wir singen Lieder und der Pfarrer segnet und alle. Und dann segnet er noch den Kräuterstrauß, der dann besondere Kräfte hat. Hilft bei Krankheiten und bei Wünschen.
Es wird dunkel auf dem See. Die Kapelle spielt Kirchenlieder, die Pilger singen. Zwischendurch wird der Rosenkranz gebetet. Es gefällt Peter, die kleinen glatten  Steine in seiner Faust zu spüren. Er schielt zu Musa und grinst. Der macht ihm alles nach. Björn hält die Augen geschlossen und murmelt leise vor sich hin. Die Fátima Figur steht in einer Kugel aus Streben, an denen weiße Glübirnen befestigt sind. Blumen schmücken ihre Rahmung. In ihrem langen weißen  Gewand und dem Schleier, der von einer großen goldenen Krone gehalten wird, sieht sie aus wie eine waschechte Prinzessin oder eine Fee aus einem Märchen. Sie strahlt noch mehr als die Glühbirnen, die sie umgeben.
Das Boot hält und viele andere Boote sind jetzt ebenfalls an gleicher Stelle angekommen. Ein Geistlicher auf einem der anderen Boote hält eine Ansprache für alle Gläubigen. Danach gibt es ein 5 minütiges Feuerwerk zu Ehren der Muttergottes. Musa hat sich unter die Bank verkrochen. Er hat Angst. Für ihn klingt es wie Kanonenfeuer. Er hält sich die Ohren zu. Peter setzt sich zu ihm mit dem Kräuterstrauß. Hier, Peter stupst ihn an, du kannst dir was wünschen. Musa nimmt das Kräuterbündel und versteckt sein Gesicht darin. Es ist nichts Schlimmes. Es ist schön. Es sieht aus wie bunte Sterne am Himmel. Guck’s dir an. Feuerwerk. Für Fátima. Musa und Peter gucken beide nach draußen zu der Muttergottesfigur. Die Glühbirnen gehen alle für einen Moment aus und dann wieder an. Die Jungs schauen sich an. Sie schauen auf das Kräuterbündel. Sie krabbeln beide vom Schiffsboden hoch nach draußen an die Reling. Die letzten Sterne am Himmel verglühen, dann ist es dunkel und leise. Danke Fátima flüstert Musa und drückt die Kräuter an sich.

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