Tageblog 30. September 2016

30. September   Tag des Deutschen Butterbrotes

 

Butterbrot forever, don’t call it sandwich

Oma, endlich wieder Frühstück bei dir. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich in meiner WG für Frühstücksoptionen habe. Lisa frühstückt am liebsten veganes Müsli! Also dann mit Jogurt und Milch, die nicht aus tierischer Milch gemacht sind. Oder Pierre und Karl kaufen jeden morgen beim Bäcker Schokocroissants und Brötchen. Mein Süsser braucht was „Richtiges“, d.h. er macht sich Eier mit Speck oder gebratene Würstchen. Kathi setzt sich auf die Eckbank und guckt entzückt auf den Tisch. Vor ihr liegt ein kleines Holzbrettchen und rechts daneben ein Messer. Die Thermoskanne mit dem frisch gebrühten Filterkaffee steht schon da. Sie gießt sich eine Tasse ein und gibt noch einen Schuß Milch dazu. Ihr blick fällt wohlwollend auf den Brotkorb. Graubrot und Schwarzbrot. Wie immer. Sie nimmt eine Scheibe Graubrot und tunkt ihr Messer in die Butter. Auf die Scheibe damit und dann Omas selbstgemachte Pflaumenmarmelade hinterher. Hhm. Das ist der süße Anfang. Sie trinkt die Tasse leer und gießt sich nach. Sie greift in den Brotkorb und nimmt von beidem eine Scheibe und beschmiert jeweils eine Seite mit Butter. Dann kommt auf die Graubrotscheine gekochter Schinken, und auf die Schwarzbrotscheibe eine Scheibe Gouda. Zusammenklappen und abbeißen. Genüsslich kaut sie und schlürft an ihrem Kaffee. Ja, Oma so muss das schmecken. Da entdeckt sie das hartgekochte Ei vor ihrer Nase. Mensch, Oma, du musst mir doch kein Ei kochen. Ist das weich oder hart? Okay, dann noch ein Ei-Brot zum mitnehmen. Sie buttert erneut eine Scheibe Graubrot. Kathi schlägt das Ei leicht auf der Tischplatte und pult die Schale ab. Sie legt das Ei in den Eierschneider, so dass es in Scheiben geteilt wird. Die legt sie auf das Brot und streut Salz darüber. Dann klappt sie das Brot zusammen und wickelt es in Butterbrotpapier. Als der letzte Schluck Kaffee getrunken und der letzte Butterbrotkrümmel verputzt ist, schaut sie noch einmal versonnen über den gedeckten Tisch. Schalen vom Ei, Spuren von Salz, Käserinde und ein verschmiertes Messer. So muss es nach einem guten Frühstück aussehen. Oma, was gibt es heute Abend? Hoffentlich eine Brotzeit. Wenn ich mir was wünschen darf: Graubrot und dazu Butter, Tomaten, Radieschen, saure Gurken, Schwartemagen, Leberwurst und noch mal Gouda. Salz, Pfeffer, Senf. Und ein Bier.
Guten Appetit!

Tageblog 29. September 2016

29. September   Michaelistag

Für M.

 

Michael

Michael. Mein erster Freund hieß Michael. Mein Letzter auch. Alle meine Freunde hießen Michael. Ich muss aufpassen, wenn ich jemanden mit diesem Namen kennenlerne. Es könnte mein zukünftiger Partner sein.Im Kindergarten hieß meine allerbeste Freundin Michaela. In der Grundschule ging ich mit einem Jungen namens  Michael Kneip. Zum Glück gab es dann in der weiterführenden Schule niemandem mit dem Namen in meiner Klasse und auch nicht später in der Oberstufe. Für die Dauer meiner Fahrstunden allerdings hatte ich ein Verhältnis mit dem Fahrlehrer der Fahrschule Michael Mosberg. Im Motorclub meines Vaters gab es drei Michael. Von klein auf hat er mich dorthin mitgenommen. Anfangs bin ich im Beiwagen gefahren und später auch als Sozia an die Rücken der Fahrer geschmiegt. Hier ist es mir das erste Mal aufgefallen, dass ich mich immer zu Männern mit dem Namen Michael hingezogen fühle. Mir war es dann auch irgendwann zu viel, drei verschiedene Dates immer voreinander zu verheimlichen. Zum Glück ist einer weggezogen, die anderen beiden habe ich dann aus den Augen verloren, als ich wegen meines Studiums in eine anderen Stadt umziehen musste. Es versteht sich von selbst, dass ich nicht zum Michael Jackson Konzert nach München gefahren bin.Mittlerweile studiere ich im dritten Semester Geschichte und Geographie. Ich habe mich gestern in das Vorlesungsverzeichnis für das neue Semester vertieft und liebäugele mit einer Veranstaltung, die perfekt in meinen Stundenplan passen würde. Mit dem Seminar könnte ich auch meine Exkursionstage abdecken, es gehört noch 1 Woche Sizilien dazu. Aber die Sache hat einen Haken. Der Dozent heißt Michael.Ich bespreche das mit meiner Schwester Dorothea am Telefon. Sie kennt mich und mein Problem. Sie sagt alles was ich auch denke. Wenn dir noch Exkursionstage fehlen und es optimal in den Stundenplan passt. Dann mach’ das. Probier das aus. Wenn es nicht geht, kannst du es ja immer noch abbrechen. Sie sagt alles was ich hören will. Juchhu, ich schreibe mich ein. Aufgeregt betrete ich am Mittwoch in der ersten Semesterwoche den Seminarraum. Natürlich bin ich viel zu früh. Ich will auf gar keinen Fall den Augenblick verpassen, indem er herein kommt. Nach und nach trudeln die anderen Seminarteilnehmer ein. Kein Michael dabei, das spüre ich.Und dann kommt er. Der Dozent mit Namen Michael. Es ist noch viel schlimmer als ich es mir vorgestellt habe. Ich finde ihn umwerfend. Ich kann auf gar keinen Fall das Seminar weiter besuchen, geschweige denn mit auf Exkursion fahren. Mir gefällt alles an ihm. Er ist groß und schlank. Nicht mehr so viele, kurz geschnittene Haare, ein einnehmendes Lächeln, viele Lachfalten um die Augen. Wunderschöne schmale Hände. Wenn er mit der Kreide an die Tafel schreibt, könnte ich schreien, so schön sieht das aus. Aber am liebsten höre ich seine Stimme. Sie hat einen schönen Klang, sie ist männlich tief, ruhig. Er scheint Humor zu haben, es gibt immer wieder Situationen im Seminar in denen er schmunzelt. Oder auch mit uns lacht. Wie komme ich hier weg? Ich bleibe am Stuhl kleben, bis er den Raum verlassen hat, weil ich mich nicht in der Lage fühle, an ihm vorbei zu gehen. Jetzt schnell raus. Wohin? Ich glaube alle sehen mir an, dass ich getroffen bin. Von Amors Pfeil.  Erst mal auf die Toilette. Allein sein. Aufgehübscht, mit nachgezogenem Kajal und Lippenstift, gehe ich Richtung Haltestelle. Möglichst ohne Zwischenfall nach Hause kommen. Das ist mein Ziel. Was tun? Ein Jahr ins’s Ausland? Uni wechseln? Seminar beenden? Wäre doch zu schade. Ich gieße mir ein Glas Weißwein ein und schalte die Musikanlage an. Ich suche Dire Straits Love over Gold. Ich spiele den Titel Privat Investigation. Langsam werde ich ruhiger. Ich zünde mir eine Zigarette an, rauche trinke lausche der Musik. Dabei denke ich an das Seminar. Besser gesagt an dich. An deine Hände, deine Augen, deine Stimme. Ich lasse mich einlullen von der Musik und meinen Gefühlen und nehme dich mit. Ich stelle mir vor, dass du meine Brüste streichelst und an ihnen saugst, während ich sie mit den Fingerspitzen massiere. Deine wunderschöne Hand streichelt den Spalt zwischen meinen Beinen. Ich höre deine Stimme an meinem Ohr und spüre deine Küsse auf meiner Haut. Ich intensiviere meine Gedanken und lasse meinen Mund und meine Hände härter arbeiten, bis ich komme. Als die Anspannung nachlässt, weiß ich plötzlich was ich tun muss. Noch ein Glas Wein und eine Zigarette. Ich rufe bei Dorothea an. Nein, der übt gar keine Anziehung auf mich aus. Da kann ich getrost mit auf Exkursion. Du hattest Recht damit, es einfach mal auszuprobieren. Abbrechen kann man immer noch, wird aber nicht nötig sein. Danke für deine Tipps. Kaum habe ich aufgelegt, fummele ich schon wieder an mir rum. Die Gedanken an dich machen mich voll geil. Ich stelle mir vor, wie wir während der Exkursion im Hotelzimmer übereinander herfallen. Du leckst mich überall, im Nacken, an den Brüsten, den Innenseiten der Schenkel, an den Füßen. Mein Orgasmus wird noch heftiger als der erste, ich sacke auf dem Boden zusammen, lache laut und ziehe mir die Decke vom Sofa über den Körper. Bis zur nächsten Stunde müssen wir eine Anzahlung für die Exkursion geleistet haben. Ich robbe zu meinem Schreibtisch, nehme meinen Laptop und fülle die Überweisung aus. Ich habe mich entschieden.

 

Tageblog 28. September 2016

28. September 1571  Geburtstag Caravaggios

 

Madonnalittchen!

Wieder ein Auftrag für ein Altarbild. Die Muttergottes mit dem Christuskind auf dem Arm. Caravaggio war glücklich, denn er hatte das perfekte Modell für diesen Auftrag heute morgen auf der Straße gesehen, als er nach einer rauhen Nacht auf dem Nachhauseweg war. Lena, die Göttliche! Sie war so schön, wenn sie nachts mit den Freiern um die Häuser zog. Er hatte auch schon einmal das Vergnügen gehabt. Aber wie sollte er sie zum Modell-stehen überreden? Tagsüber kümmerte sie sich um ihren kleinen Sohn und nachts arbeitete sie. Caravaggio hatte eine Idee. Sie war ja als Gottesmutter perfekt! Mit ihrem Sohn  auf dem Arm würde sie die Aufgabe bestimmt annehmen. Er hätte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Da er aber kein Geld hatte, um sie zu bezahlen, musste er sich einen Deal überlegen. Da er weder kochen konnte noch etwas besaß, womit er sie hätte bestechen können, kam ihm die Idee mit dem Babysitten. Er würde ein paar mal auf den kleinen Lorenzo aufpassen, wenn Lena einmal etwas ohne ihn unternehmen wollte. Er blickte sich um, das Atelier schien dafür natürlich nicht der richtige Ort zu sein. Er würde mit dem kleinen Kerl einfach durch Rom marschieren. Stundenlang. Davon wird er bestimmt so müde, dass er schnell einschläft. Dann würde er ihn schnell in’s Atelier bringen, auf dem Sofa ablegen und ihn zeichnen. Noch eine Fliege für die Klappe. Er konnte es gar nicht abwarten, Lena den Vorschlag zu machen. Er rannte aus dem Haus in Richtung ihres Reviers. Er setzte sich auf eine Bank und beobachtete die Menschen, die sich auf dem Platz aufhielten, ihn überquerten oder in den Geschäften am Weg etwas einkauften. Es war früher Abend und Lena würde bestimmt bald hier vorbei schlendern. Da sah er sie schon, eingehakt bei ihrer Kollegin Filide. Die könnte ihm auch gefallen. Er winkte und die Frauen kamen auf ihn zu. Er unterbreitet Lena seinen Vorschlag. Sie ist angetan, aber auch etwas skeptisch, ob er als Babysitter wirklich geeignet ist. Filide ist neidisch. Ich könnte auch gut mal einen freien Tag gebrauchen. Willst du mich nicht auch mal malen und dafür meine kleine Tochter beaufsichtigen? Caravaggio denkt an den Folgeauftag: Judith und Holofernes. Sie war tasächlich eine Judith. Er nickte. Warum nicht? Es musste irgendwie klappen.
So began eine für alle Seiten fruchtbare Zusammenarbeit. Caravaggio malte wundervolle Bilder mit seinen schönen Modellen, die Kinder gewannen Caravaggio dermassen lieb, dass er auch ohne babysitten zu müssen oft zum Essen eingeladen wurde. Die Frauen hatten einige Tage zur freien Verfügung. Eine win-win Situation.
Leider machte die Verwicklung Caravaggios in einen Streit mit Todesfolge dem Idyll ein Ende. Er musste aus Rom fliehen. Die beiden Frauen hatten aber Gefallen an dem Nebenjob gefunden und suchten sich andere Maler, denen sie Modell stehen konnten. An Caravaggio reichte aber niemand heran. Weder in der Kunst noch beim Babysitten.

Tageblog 26. September 2016

26. September 1991 – In Arizona beginnt das Projekt „Biosphäre 2“. Acht Forscher wollen zwei Jahre lang beweisen, dass es möglich ist, in einem der Erde nachgebildeten autarken System zu überleben.

Sweet Potato

Sie waren schon über ein Jahr in dieser künstlichen Welt. Bald war Weihnachten. Polly wünschte sich nichts sehnlicher als einen Weihnachtsbaum mit echten Kerzen und roten Kugeln. Letzes Jahr hatte ihr das Fest noch nicht gefehlt, aber mittlerweile hatten alle ritualisierten Feierlichkeiten in Biosphäre 2 eine große Bedeutung bekommen. Leider hatten sie an Weihnachtsbaumschmuck nicht gedacht. Es gab sowieso von allem nur das Nötigste. An einen Festtagsschmaus war natürlich auch nicht zu denken. Eigentlich war sie dauernd hungrig. Mit der Selbstversorgung klappte es nämlich nicht so richtig. Es gab Pflanzen, die von Schädlingen befallen waren und einzugehen drohten. Außerdem gab es Tiere, die eingingen, und Tierarten die sich überproportional vermehrten. Die Kakerlaken zum Beispiel. Mit ihnen teilte sie mittlerweile alles. Ihr Bad, ihr Bett und auch ihre Mahlzeiten. Sie sich selbst als Essen zuzubereiten, hatte sie noch nicht über sich gebracht. Sie stand vor dem Spigel in ihrem Badezimmer und betrachtete ihr Gesicht. Ihre Haut war ganz orange geworden von dem Verzehr der vielen Süßkartoffeln. Leider hatte sie nur roten Lippenstift dabei, das sah echt scheiße aus. Grün oder grau wäre jetzt besser. Aber eitel war sie schon lange nicht mehr. Das spielte hier keine große Rolle. Seit sieben Wochen war ihre Periode überfällig. Da es aber keine Tampons gab, genauso wenig wie Binden, Papiertaschentücher und Toilettenpapier, fand sie das unter dem Hygiene Aspekt super, dass sie sich nicht mehr mit Stoffvorlagen während ihrer Blutungen herumschlagen musste. Aber schwanger in Biosphäre 2?  Heute war Marcs Geburtstag, da wollte sie hübsch aussehen, wenn sie ihm sagte, dass er Vater werden würde. Marc war nach acht Wochen ihr Freund gworden und war es immer noch. Sonst wäre sie wahrscheinlich schon verrückt geworden unter dieser riesgen Glaskuppel. Die größte Herausforderung neben dem Hunger war die Gruppe. Sie waren zu acht gut gelaunt und voller Abenteuerlust gestartet. Sie hatten sich in zwei Lager gespalten und wenn sie sich nicht zum Überleben gebraucht hätten, dann hätten sie sich wohl schon gegenseitig umgebracht.
Aber heute feierten sie Geburtstag. Von den Hühnern, die sie mitgenommen hatten, lebten noch drei, die unregelmäßig Eier legten. Sie hatte drei abgefangen, damit sie einen Kuchen backen konnte. Aus Süßkartoffelmehl. Sie dachte wieder an ihre Schwangerschaft. Ihr war immer ein bißchen übel und müde war sie auch ständig. Das konnte aber auch an dem abnehmenden Sauerstoffgehalt in der Luft liegen. Aber waren das die idealen Vorraussetzungen für eine Schwangerschaft?
Ohne Vorsorgeuntersuchungen und Ultraschall? Aber es gab so viele Frauen auf der Welt die unter viel schlechteren Bedingungen Kinder zur Welt brachten. Außerdem wäre das noch ein Experiment im Experiment. Sie war schließlich Wissenschaftlerin. Mal abwarten, was Marc dazu sagen würde. Ein Abbruch kam für sie nicht in Frage. Weder der Schwangerschaft noch des Experiments.
Marc war entzückt. Er begann sofort den Geburtstermin auszurechnen. Wenn alles nach Plan lief, würde das Kind auf die Welt kommen, wenn sie aus dem Glashaus ausziehen. Kurz davor oder kurz danach. Was würde man denn als Geburtsort angeben? Biosphäre 2 in Arizona? Cool. Der Name für das Kind stand auch schon fest: Orange oder Sweet Potato.

Tageblog 25. September 2016

25. September  Tag der Zahngesundheit

   Lachen reinigt die Zähne (afrikanisches Sprichwort)

Feenstaub

Die Zahnfee ist unzufrieden. In den letzten Jahren klappt es nicht mehr mit den Bergen von kleinen weißen Milchzähnen. Sie muss jetzt zwei Berge anlegen, der mit den einwandfreien Zähnen und der mit den kaputten Zähnen. Immer mehr haben eine bräunliche Verfärbung oder sogar Löcher. Und die kann die Zahnfee nicht an die Schneekönigin verkaufen, die damit die Eisfläche an den Polen repariert. Das geht nur mit gesunden Zähnen. Die Zahnfee hat eine kleine Werkstatt angelegt. In einem Wasserbecken schubbern kleine Fische die Farbe ab und Schwertfische feilen an den Löchern und legen die weiße Zahnschicht frei. Nach der Behandlung kommen die Zähne noch in ein Veredlungsbad. Die kostbaren kleinen Steinchen schickt die Zahnfee dann zu Uschi Obermaier nach Los Angeles, die sie dort in ihrer Schmuckproduktion verarbeitet. Der Erlös aus dem Verkauf kommt der Erhaltung der Arktis und der Antarktis zu Gute. Wenn die Bausteine für die Pole immer weniger werden, wird der Lebensraum für Eisbären und Pinguine immer kleiner. Da die Zahnfee natürlich mit allen Tieren befreundet ist, beteiligt sie sich an der Rettung ihrer natürlichen Umgebung. Dafür arbeitet sie im Untergrund. Die Krankenkassen organisieren Infoveranstaltungen für Eltern kleiner Kinder. Dort wird genau erklärt, wie die Gesundheit der Zähne und der Kinder mit dem Konsum von süßen Getränken zusammenhängt. Die Zahnfee dagegen trägt den Zuckerberg ab, der bei der Herstellung der Limonaden und Säfte verwendet wird. Pro Liter kommt ein wenig weniger Zucker in die Flaschen, von den Herstellern nicht bemerkt. Die Massen, die da zusammenkommen, schickt sie ebenfalls an die Schneekönigin. Die ist zufrieden mit dem neuen Stoff, mit dem sie erst einmal die größten Löcher stopfen kann. Jetzt gibt es aber eine neues Problem. Den Eisbären schmeckt ihre neue Eisdecke. Jetzt lecken sie sich quasi den Boden unterm Arsch weg und kriegen schlechte Zähne. So hängt irgendwie alles zusammen. Am besten wäre es, die Kinder würden keine süssen Getränke mehr trinken. Dann würden die einwandfreien Milchzähne auch alle dafür benutzt, wofür sie ursprünglich gedacht waren. Die reinen, weißen Zähne wurden früher zermahlen. Daraus entstand der Feenstaub, mit dem die Feen Wünsche erfüllen konnten. Jetzt macht die Zahnfee das nur noch für die kleinen Kinder. Früher erfüllte sie alle Wünsche.

Tageblog 24.September 2016

24. September 2014  „Alternativer Nobelpreis“ an Edward Snowden und Alan Rusbridger

 

Für Moses

Lieber Edward Snowden,

ich bete jeden Abend und bitte Gott um Hilfe für Menschen oder Situationen, von denen ich glaube, dass sie Hilfe brauchen. Seit einiger Zeit bete ich auch für Sie. Anfangs war ich skeptisch und gehörte zu den Zweiflern, die so gerne glauben wollten, dass das System nicht betrügt. Mittlerweile glaube ich aber, dass Sie etwas zur Rettung der Menschheit beigetragen haben. Wir können jetzt über einige Zusammenhänge Bescheid wissen, wenn wir nur wollen. Wir können mit diesem Wissen Umstände beseitigen oder boykottieren, wenn wir nur wollen. Viele wollen aber nicht Bescheid wissen. Sie versperren Augen, Ohren und Mund und lassen alles weiterlaufen. Die, die so denken wir Sie, werden als Weltuntergangsverkünder verschrien. Warnungen sind in der Geschichte schon so oft ungehört verhallt. Sollten sich im Nachhinein die Ankündigungen doch als richtig herausgestellt haben, werden die Mahner als Märtyrer verehrt. (Im schlimmsten Fall gibt es dann ein Musical a lá Jesus Christ Superstar). Eigentlich möchte ich Ihnen das ersparen, habe aber das Gefühl, so könnte es enden. Ihr Opfer ist riesig, sie haben ähnlich wie Jesus mit dem Leben bezahlt.  Ich komme mir vor wie einer ihrer Jünger, der ihre Geschichte in die Welt trägt und für Verständnis wirbt und versucht, andere zu überzeugen. Das gelingt nicht immer, aber ich mache kleine Fortschritte. Ich glaube an das persönliche Gespräch. Für jede überklebte Kamera am Laptop und für jeden Verzicht auf WhatsApp oder Facebook stelle ich eine Kerze auf. In meiner Kirche gleich um die Ecke, da muss ich jetzt wieder hin. Der Küster musste schon Kerzen nachordern, hihi. So ganz erfolglos bin ich doch nicht.
Schade, dass man Sie an`s Kreuz genagelt hat. Ich bin entäuscht von der Regierung in Deutschland, die Sie nicht als Zeugen vor Gericht anhören will. Ich bin enttäuscht vom amerikanischen Präsidenten, der Sie nicht begnadigen will. Ich bin begeistert von Oliver Stone, der einen Spielfilm über Sie gedreht hat, der uns die Situation gut vor Augen führt. Darum bete ich jetzt auch für ihn. Damit er noch lange weitermachen kann mit seinen kritischen Filmen.
Lieber Edward Snowden, alles Gute für Sie. Ich hoffe, Sie kommen klar mit Borschtsch, Plinis und Wodka und einem Leben, dass nicht mehr Ihres zu sein scheint. Ich bete für Ihr Leben in Freiheit.

Ihr Thomas