Tageblog 5. September 2016

5. September 2010   1200 Jahre alter Silberfund in Aklam, Mecklenburg Vorpommern

ABF Schatz

Als wir neun Jahr alt waren, vergruben meine beste Freundin Ruth und ich einen Schatz in unserem Garten. Wir beschlossen, ihn in genau 20 Jahren wieder auszugraben. Unser Schatz bestand aus ein paar Haaren, die wir einander abgeschnitten hatten. Außerdem noch ein Blatt Papier, auf dem wir aufgeschrieben hatten, warum die Freundin die beste Freundin der Welt ist. Das durfte sie natürlich nicht lesen. Ein Foto, das uns beide zeigt, wie wir nebeneinander stehen und die Arme über die Schultern gelegt haben. Dann noch so individuellen Kram. Ruth hat eine Packung Nudeln mit dazu gelegt, weil sie meinte, sie hätte bestimmt Hunger, wenn wir den Schatz ausgraben und obendrein wäre es spannend zu sehen, ob die Nudeln das überleben. Außerdem hat sie ihre ABBA Kassette geopfert. Das fand ich cool. Ich habe ein 5 D-Mark Stück dazugelegt. In der Hoffnung, dass es in 20 Jahren ein Vermögen wert ist. Weil ich wollte, dass meine damals schon 8 Jahre alte Katze ewig lebt, habe ich eine Dose ihres Lieblingsfutters mitvergraben. Ich war verliebt in die Vorstellung, dass sie neben mir und Ruth steht, wenn wir den Schatz heben und sie dann auch etwas von der Beute abbekommt.
Die 20 Jahre sind rum. Meine Katze habe ich schon vor 15 Jahren beerdigt. Meine beste Freundin Ruth lebt schon seit 3 Jahren in Australien und kann es nicht arrangieren, heute hier zu sein. Den Garten gibt es eigentlich auch nicht mehr so richtig. Zumindest gehört er nicht mehr zu mir. Als ich mit der Schule fertig war, haben sich meine Eltern getrennt und das Haus verkauft. Es wurde abgerissen und es entstand an seiner Stelle eine moderne Doppelhaushälfte. Den Garten, der jetzt zwar geteilt ist, gibt es noch. Unser Schatz müsste in der linken Hälfte liegen, in der Nähe des Walnussbaumes. Ich wohne auch schon lange nicht mehr hier in der Gegend. Ich bin heute extra aus X angereist, um unser Versprechen einzulösen. Ich bin aufgeregt und traurig. Alleine, ohne Ruth und Katze, werde ich jetzt bei wildfremden Leuten klingeln und ihnen meine Geschichte erzählen. Hoffen, dass sie mir glauben und mich nach dem Topf graben lassen, in den wir alles gepackt haben. Da vorne ist es schon. Kastanienallee Nr. 9, Anja und Peter Schmidt. Ich klingele.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.