Tageblog 16. September 2016

16. September  Tag für die Erhaltung der Ozonschicht

 

Meine Oma ist Weberin. Sie webt wunderschöne Decken und Teppiche aus den verschiedensten Materialien. Als ich klein war, webte sie aus ihrer Phantasie Geschichten, in deren Fäden ich bis heute verwickelt bin. Ich habe verschiedene Knäuel davon im Regal liegen. Einige habe ich schon weiter versponnen.
Am schönsten ist die Arbeit, die meine Oma jedes Jahr im Sommer ausführt. Als Mensch, der mit der Natur lebt, leidet sie besonders unter den Wunden, die der Mensch der Natur zufügt. Mit ihren Mitteln versucht sie, Schmerzen zu lindern und Wunden zu heilen. Das ganze Jahr über sammelt sie Material, mit dem sie diese spezielle Decke fertigt. Natürlich sind die Hauptbestandteile Wollfäden der hier ansässigen Schafe, aber es sind auch Goldfäden dabei, aus denen die Waldfeen ihre Garderobe fertigen. Sie hat eine Technik entwickelt, mit der sie Baumrinde verspinnen kann. Die Strahlen der Sonne kann sie mit einweben und auch der Mondschein schlüpft gerne durch die Webarbeit.
Als meine Oma beschlossen hatte, etwas gegen den Klimawandel zu tun, und selbstständig das Ozonloch zu stopfen, lies sie sich einen extra großen Webstuhl bauen. Nach eine paar Jahren konnte sie tatsächlich den XXL Webstuhl abschaffen und auf eine kleinere Größe umsteigen. Mittlerweile ist die Handarbeit nur noch halb so groß wie am Anfang. Sie will nichts davon hören, dass sich durch die Abschaffung des FCKW die Ozonschicht nachhaltig erholt. Sie glaubt weiterhin an die Wirkung ihrer Maßnahme. Bald ist es wieder soweit. Im November, wenn in der Antarktis der Südsommer beginnt, verringert sich die Ozonkonzentration und es entsteht ein Loch. Dann kommen die australischen Zugvögel, die Richtung Antarktis fliegen, in den Garten meiner Oma und nehmen das fertige Tuch mit. Das spannen sie über das Loch. Im Laufe eines Jahres verringert sich die Öffnung und die Ozonkonzentration steigt wieder an. Die Handarbeit meiner Oma verschleißt im Laufe der Zeit und vergeht in der Atmosphäre.
Im Jahr 2050 wird das Ozonloch verschwunden sein. Meine Oma wird dann auch tot sein. Sie wird mit der befriedigenden Gewissheit sterben, dass sie etwas zu dieser Entwicklung beigetragen hat.

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