Tageblog 19. September 2016

19. September 1941  ab diesem Tag müssen alle jüdischen Personen ab dem 6. Lebensjahr im Deutschen Reich den „Judenstern“ tragen

 

Sternbild

Sarah steht mit ihrer Freundin Rachel in der Warteschlange. Beide haben Geld dabei, sie müssen für ihre Familien Judensterne kaufen. Sara hatte 50 Pfennig dabei, Rachel 40. Bald ist es Pflicht, dass jeder Jude an seiner Kleidung diesen Stern tragen muss. Bis dahin müssen die Frauen sie aufgenäht haben. Auf die linke Seite in Herznähe. Es sind Stoffe gedruckt worden, von denen man sich die Anzahl der gewünschten Sterne runterschneiden lassen kann. In der Mitte des Sterns ist das Wort Jude zu lesen. Eigentlich liebt Sarah die Sterne. Wenn sie in den Himmel schaut, fragt sie sich, wie das alles passieren konnte. Als stünde die Antwort in den Sternen. Sie ist an der Reihe und kauft 5 gelbe Stoffsterne.
Zuhause nimmt sie erst die Jacke von ihrem Vater. Zärtlich streicht sie über den schweren Stoff. Bei allen wichtigen Ereignissen trägt ihr Vater diese Jacke. In letzter Zeit passt er nicht mehr so richtig hinein. Er ist dünn geworden und die Jacke scheint mit ihrem Gewicht auf ihm zu lasten. Seine ehemals stolze Haltung ist einer niedergeschlagenen Krümmung gewichen. Auch sein Geist scheint sich von hell und strahlend in blass und stumpf verwandelt zu haben. Ihre Mutter füllt ebenfalls ihren Mantel nicht mehr aus. Die ehemals durch ruhige Kraft genährte Schönheit ist verschwunden. Ein dürres Nervenbündel hat die Zeit aus ihr gemacht, der Mantel hängt an ihr herunter, als wäre er drei Nummern zu groß. Ihre eigene Jacke sitzt auch nicht richtig, sie ist ein Geschenk ihrer Nachbarin, noch ist sie ihr ein wenig zu groß, aber sie wird hineinwachsen. Die Jacken der Geschwister sind so klein, dass die Sterne die ganze linke Brustseite bedecken. Ihre kleien Schwester Esther freute sich über den gelben Stern auf ihrer Jacke. Er leuchtet so schön.
Als Sarah ihre kleinen  Geschwister in’s Bett bringt, liest sie ihnen noch eine Gute-Nacht- Geschichte vor. Esther wünscht sich Sterntaler aus dem dicken Märchenbuch.
Am nächste Morgen staunt Sarah nicht schlecht. Ihre kleine Schwester hat ihren Stern verschönert.

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