Tageblog 5. Oktober 2016

5. Oktober   Weltlehrertag

5. Oktober    Tag der Seifenblase

 

 

Hochschul-Bildungs-Report: In Deutschland gibt es kaum gute Lehrer

Madame Dessous, ich werde sie nie vergessen. Meine Französischlehrerin in der weiterführenden Schule. Alle fanden sie toll, die Mädchen, weil sie immer nach dem neuesten Schrei gekleidet war und perfekt geschminkt. Uns gefiel sie, weil sie eine richige Frau war. Ein runder, wohl proportionierter Körper in einem Kostüm oder Kleid. Immer tailliert. Seidenstrümpfe und Absatzschuhe. Sie gewährte tiefe Einblicke an verschiedenen Körperstellen. Sie beugte sich gerne tief über unsere Hefte, da sie scheinbar ein wenig kurzsichtig war, aber die Brille lag immer vorne auf dem Lehrerpult. Außerdem stellte sie sich ab und zu auf einen Stuhl, um etwas oben an der Tafel zu befestigen oder etwas aus dem Schrank zu holen. Sie behandelte uns wie richige Kerle. Höflich und respektvoll. Wir sie natürlich auch. Ich stand in Französich glatt eins. Also, ich muss sagen, mehr gute Lehrerinnen und ich hätte noch mehr Einsen auf dem Zeugnis gehabt. Habe ich heute auch in der Zeitung gelesen. Nicht entscheidend dafür, ob ein Schüler gut lernt, ist die Ausstattung der Schule, die Klassengröße oder das Konzept der Schule, sondern einzig allein, ob er einen guten Lehrer hat. Sag‘ ich doch.

 

Traumblase

Alles vorbereitet. Wir haben das Wasserfass aus dem Garten leer gemacht und darin die Seifenblasenlösung angerührt. Destilliertes Wasser mit Spülmittel und Maissirup. Damit die Blasen gut halten und nicht so schnell kaputtgehen. Wir haben eine riesige Schlinge aus Kordel gebastelt. Die Windmaschine steht auch bereit.  Niklas ist gekommen , um mir zu helfen. Zum Glück ist es noch warm, denn ich bin nackt, damit nichts die Seifenblase unnötig beschwert. Der See liegt ganz ruhig, die Wasseroberfläche ist glatt und undurchsichtig. Blau und schwarz, irgendwie kalt. Im Gegensatz dazu mein Körper hell und rosa schimmernd, aber auch nicht richtig warm. Ich habe Angst. Nicht vor dem Fliegen, sondern davor, dass mein Traum zerplatzt. Schon mehrmals habe ich geträumt, dass ich in einer großen Seifenblase über Wasser fliege. Ein unbeschreibliches Gefühl. Je weiter die Blase vorankam um so leichter wurde ich. Die Aussenwelt war friedlich in meiner Betrachtung, gedämpft. Die Welt innerhalb meiner Kugel aus Seifenschaum packte mich, laut, wie ein Echo prallte mein ich auf mich ein. Hin und her gerissen zwischen mir und meiner Welt versuchte ich stets, die durchsichtige Wand einzureißen. Bevor mir das gelang, bin ich immer aufgewacht. Aber nicht schweißbebadet oder voller Angst. Friedlich, die Bettdecke wie ein Kokon um mich herum gewickelt.
Ich stehe in Position. Niklas und ich haben versucht zu berechnen, wieviel Seifenlauge nötig sein wird, welche Größe die Schlinge haben muss, wie stark das Gebläse von der Windmaschine sein muss. Ich stehe am Uferrand. Niklas zieht die Schlinge durch das Fass und hält sie vor den Luftstrom. Es bildet sich eine Blase und bevor sie sich ganz schliesst, hat sie mich mit ihren Seifenwänden umfangen. Ich bin drin. Niklas erhöht die Luftzufuhr und ich spüre wie die Membran abhebt. Ich könnte vor Freude hüpfen und springen, aber die Angst etwas zu zerstören lässt mich steif verharren. Ich fleife. Ein unberschreibliches Gefühl. Je weiter die Blase vorankommt um so leichter werde ich. Die Aussenwelt ist friedlich, dunkel und gedämpft. Die Welt innerhalb meiner Kugel aus Seifenschaum packt mich, laut, wie ein Echo prallt mein ich auf mich ein. Hin und her gerissen zwischen mir und meiner Welt versuche ich, die durchsichtige Wand einzureißen.

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