Tageblog 9. Oktober 2016

9. Oktober   zum Gedenken an den Gründungstag des Weltpostvereins 1874

Schweinewurst vor Paris

Seit meine Zwillingsschwester für einen Schüleraustausch nach Amerika gezogen ist, habe ich es ganz schön schwer. Mit ihrem Weggang hat sich Zahl der Vegetarier und Veganer in meinem Umfeld  verdoppelt. Wir waren das Fleisch und Käse Bollwerk. Uns gegenüber stehen Mama, Papa und Margot, unsere große Schwester als Vegetarierfraktion. Jetzt wo Marnie weg ist und wir mehr Platz haben, ist Margots Freund mit eingezogen, als Veganer. Abgesehen davon, dass ich nicht auf den Hipster stehe, bleiben immer vegane Essensreste in seinem Bart hängen. Weil ich will, dass es Marnie auch in Amiland an nichts fehlt, schicke ich ihr alle zwei Monate so eine Art Care Paket. Beim ersten Mal waren da ganz viele selbstgezogene Kerzen, selbstgebackene Nussecken und eine selbst zusammengestellte Party Playlist auf einem USB Stick drin. Letztes Mal habe ich den Karton vollgemacht mit Bucheckern, Eicheln, Kastanien und Hagebutten. Die Herbstkiste sozusagen. Und diesmal, weil wir auch Geburtstag haben, gibt es das „Große Kennenlernpaket“ von unserem Lieblingsmetzger. Der verschickt seine Wurstwaren in die ganze Welt. Da habe ich so ein zusammengestelltes Sortiment gekauft, es mit Gummibärchen und einem Marmor- Fertigkuchen verpackt und  gestern auf die Post gebracht.
Ich sitze mit meinen Eltern vor dem Fernseher und gucke Nachrichten. Obwohl die Bilder von den Zerstörungen, die Hurrikan Matthew auf Haiti angerichtet hat , furchbar sind und das Wissen, dass Matthew auf Floridas Küste zurast, beängstigend ist und Donald Trump als Präsidentschaftskandidat in den USA auch einer Katastrophe gleichkommt, schockiert mich am meisten die Nachricht über den Poststreik in Deutschland. Mein Paket ist aufgegeben, wird aber nicht befördert und ich krieg es auch nicht zurück. Wie lange hält die Wurst? Ich renne ich mein Zimmer und versuche über Skype Marnie zu erreichen. Aber in Florida ist es jetzt erst halb drei Nachmittags, da ist sie noch in der Schule. Sie meldet sich meistens, wenn ich schon schlafe. Am besten klappt’s am Wochenende. Ich liege im Bett und lese.  Ich versuche es noch mal bei Marnie, aber nichts rührt sich. Ich denke noch einmal an das Paket, dann fallen mir die Augen zu.
Im Paketzentrum in Frankfurt ist derweil die Hölle los. Die Pakete stapeln sich bis unter die Decke und die wenigen Mitarbeiter wissen nicht wie sie der Flut Herr werden sollen. Nebenan steht eine Halle leer, in  der bis vor einer Woche noch Flüchtlinge untergebracht waren. Ramos hat eine gute Idee. Die Arbeiter schleppen die überschüssigen Pakete in die leere Halle und beginnen Stadtansichten nachzubauen, die die anderen erraten müssen. Gar nicht so einfach. Es gibt wenig Pakete, aus denen man Kichturmspitzen nachbilden kann oder Fernsehtürme. Darum werden auch einige Pakete zerschnitten, damit man möglichst naturgetreu arbeiten kann. Auch Frenzys Paket muss für den Eiffelturm dran glauben. Die Arbeiter gröhlen als sie in dem Paket die Wurst, den Kuchen und die Gummibärchen entdecken. Einer läuft schnell zum Kiosk und besorgt was zu trinken und dann machen sie erstmal eine Pause. Mit Blick auf Paris.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.