Tageblog 12. Oktober 2016

12. Oktober 1931   Auf dem Gipfel des Corcovado oberhalb von Rio de Janeiro wird die nach einem Entwurf des französischen Bildhauers Paul Landowski geschaffene 30 Meter hohe Christus-Statue eingeweiht.

Jedem sein Jesus

Seit Marianne und Petra pensioniert sind, reisen sie nicht mehr so viel um die Welt. Ihre Urlaubsziele waren die Länder, in denen Christusstatuen stehen. Angefangen hatte alles mit einem Frankreichurlaub, bei dem sie in Chamonix zum Ski fahren waren. Da waren sie noch recht jung gewesen, das war 1956. Da haben sie die  Christusstatue Christus König von Houches gesehen und waren tief beeindruckt. Über 20 Jahre stand diese monumentale Figur damals schon dort. Sie begannen zu recherchieren und stellten fest, dass die seinerzeit größte Statue in Rio de Janeiro stand. Das sollte ihr nächstes Reiseziel werden.  Es folgten Reisen innerhalb Europas. Sie besuchten die älteste Figur in Spanien, in Otero. Am Fuß des Christus hat sich der Künstler beerdigen lassen. Marianne und Petra haben dort am Grab Blumen niedergelegt. Von dort sind sie im gleichen Urlaub nach Portugal, um den recht neuen Christus König von Almada zu besichtigen. Auf dem 82m hohen Sockel hatten die beiden einen fantastischen Blick in das weite Umland. Dann einige Jahre später, der Italienurlaub! Über  Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel nach Maratea. Zu der Christusfigur, die aussieht wie ein Engel aus Carrara Marmor. Wunderschön – vielleicht aber auch die Sinne getrübt von Bella Italia. Dann passierte in Europa lange nichts in Bezug auf Christus in Übergröße. Ihr Blick richtet sich nach Lateinamerika, da geht was. Sie machen eine ausgedehnte Reise durch Kolumbien, Argentinien und Mexiko. Dabei sehen sie auch dort wieder Christusstatuen, sind aber davon eher gelangweilt. Die Länder sind auch ohne die überlebensgroßen Figuren sehenswert. Sie sind etwas Christus müde und vereisen die nächsten Jahre an Ziele, an denen es kein Christusmonument gibt. Außerdem erfasst sie jetzt auch die Asien Welle und da ist Christus eh nicht so präsent. Aber bei ihrem Urlaub in Indonesien besuchen sie tasächlich Manado, um den segnenden Christus zu sehen.
Jetzt steht noch Vietnam auf ihrem Reisewunschzettel und Polen. Der Christus von Vũng Tàu ist nämlich im Inneren begehbar. Man kommt bis in die ausgestreckten  Arme, die als Balkone dienen. Und die Figur in Polen ist die momentan Höchste. Der Christus aus Sichtbeton ist 33 Meter hoch, für jedes Lebensjahr ein Meter. Außerdem trägt sie eine 3 Meter hohe vergoldete Krone. Zu ihren Füßen wurde das Herz von Prälat Sylwester Zawadzki bestattet, der für die Errichtung der Statue verantwortlich ist. Aber der Wettlauf geht weiter, es werden neue Christusstatuen gebaut. In Kolumbien, Russland und auch in Israel gibt es Bestrebungen, eine Figur zu erschaffen.
Marianne und Petra reicht es jetzt, wenn es für Vietnam und Polen noch reicht, ist es gut. Wenn nicht, dann ist das nicht so schlimm.  Jetzt haben sie anderes zu tun. Als ordentliche Touristinnen haben sie natürlich in jedem Urlaub viele Fotos gemacht und Postkarten und Prospekte gesammelt. Deswegen gibt es ganz gute Abbildungen von den Christus Figuren aus der ganzen Welt. Sie haben angefangen die Figuren aus Ton nachzubauen. Es gibt wunderbare Glasuren und so bleiben die Figuren nicht monochrom weiß, grau oder sandfarben. Nein, sie werden in den verschiedensten Farben glasiert. Mittlerweile stellen sie auch Figuren für draußen her, quasi als Erweiterung zum Gartenzwerg. Die Nachfrage steigt. Man kann natürlich auch Wünsche äußern, die beiden sind für fast alles offen. Hakenkreuze und so ein Kram geht nicht, aber sie haben schon einen tätowierten Christus hergestellt. Petra arbeitet gerade an einer weiblichen Christusfigur. Da bleibt natürlich der Bart weg, aber die Haare werden gemacht. Vielleicht Zöpfe?

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