Tageblog 16. Oktober 2016

16. Oktober 1946   Die beim Nürnberger Prozess zum Tode verurteilten Hauptkriegsverbrecher werden hingerichtet.

 

Ich hatte mich freiwillig gemeldet. Mir war langweilig und das versprach doch aufregend zu werden. Ich wusste schon seit Tagen davon. Ich musste mich ja auch vorbereiten auf den Event. Zehn Menschen mussten exekutiert werden, da hatte ich ganz schön was zu tun. Es waren meine ersten Hinrichtungen. Mein Vorgesetzter wollte den Job nicht mehr so gerne machen und hat mich schnell eingearbeitet. Er trank zuviel und sollte auch aus dem Dienst entlassen werden. Drei Galgen habe ich in der Turnhalle aufgebaut, mit den dazugehörigen Falltüren. Jeder bekam einen eigenen Strick, den ich auf eine ganz bestimmte Art und Weise knüpfen musste. Ich habe auch jeden ausgemessen, damit ich die Körpergröße wusste und entsprechend die Galgenhöhe und die Stricklänge berechnen konnte. Scheinbar waren die Berechnungen aber nicht richtig. Manche Gehängten schlugen mit ihren Körpern an der zu kleinen Falltüröffnung an.
Am Hinrichtungstag bekamen alle eine schwarze Haube über den Kopf gezogen,
als sie zum Galgen geführt wurden.
Ich wusste nicht recht was ich anziehen sollte. Ich habe mich für eine schwarze Uniform entschieden, ich war ja immerhin amerikanischer Soldat. Mitten in der Nacht ging es los. Ich weiß noch, dass ich Hunger hatte und mein Magen knurrte. Das war mir peinlich. Aber dann ging alles ganz schnell und ich habe  gar nicht mehr an Essen gedacht.
Zehn mal die schwarze Kaputze über den Kopf ziehen.
Zehn mal die Schlinge fest um den Hals ziehen
Zehn mal den Hebel betätigen
Zehnmal geht die Falltür auf
Zehnmal ein hängender Toter
Zehnmal vom Galgen nehmen
Zehnmal die Schlinge von Hals trennen
Zehnmal in den Sarg legen
als die Sonne aufging war alles vorbei. Sie wurden später in ein Krematorium gebracht und ihre Asche wurde am darauffolgenden Tag am Ufer der Isar verstreut. Da war ich schon längst wieder bei meiner Einheit. Ich wurde immer nur vor anstehenden Exekutionen an den jeweiligen Ort gebracht. Ansonsten machte ich Dienst nach Vorschrift. Aber nach den 10 Hinrichtungen habe ich den Tag frei bekommen. Ich war erst einmal feist frühstücken und dann habe ich mich auf’s Ohr gehauen.

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