Tageblog 7. November 2016

7. November 2006 – Die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien übernehmen zum Jahreswechsel das deutsche Geschäft der in Nordthüringen produzierenden Eckes Spirituosen & Wein GmbH.

 

 

Treffen wir uns später im Krankenhaus? Ich komme von der Arbeit direkt dahin. Hast du vielleicht noch Zeit etwas für Oma zu besorgen? Irgendetwas zu trinken ist immer gut. Die alten Leute trinken doch zu wenig. Rotbäckchen oder so was. Bis später. Jan steckte sein Handy wieder ein. Okay, nach der Uni zu Oma. Einkaufen musste er sowieso. Er schaut auf die Uhr. Jetzt wollte er aber noch schnell Emma anrufen. Er hatte sie seit drei Tagen nicht gesehen und dringendes Kuschelbedürfnis. Handy wieder raus Hi Emma. Jaja ich weiß, dass wir verabredet sind. Ich will dich auch sehen. Meine Oma liegt aber wieder im Krankenhaus, ich muss da später vorbei. Ich muss auch noch was für Oma besorgen. Können wir das nicht zusammen machen? Einkaufen und später bei dir kochen und dann in’s Bett springen? Wie findest du die Idee? Super, dann treffen wir uns in 15 Minuten bei REWE am Markt. Bis gleich.
Als Jan vor dem Supermarkt eintrifft, steht Emma schon da. Sie hat schon einen Einkaufswagen an der Hand. Schnell ziehen die beiden an den Regalen vorbei. Ohne Worte wandern die Artikel in den Einkaufswagen. Was willst du denn deiner Oma mitnehmen? Schokolade? oder ein Rätselheft? was hat sie überhaupt? Ich weiß nicht genau. Das Übliche. zuwenig Luft, Herzrasen. Meine Mutter meinte irgendetwas zu trinken. Sie hat mir auch den Namen gesagt, habe ich aber wieder vergessen. Irgendetwas Kindlisches war es, ich musste grinsen als sie es sagte. Ein Getränk zum grinsen? Was soll das denn sein?  Ich kenne nur Kröver Nacktarsch, aber das hat sie nicht gesagt, oder? Jan grinst und geht am Getränkeregal vorbei. Hier, ich hab’s. Rotkäppchen war’s. Klar mit der kranken Großmutter. Klingt doch Kindlich/Kindisch, oder? Rotkäppchen Sekt? Bist du sicher? Hat deine Oma was zu feiern? Was weiß ich. Viellleicht hat sie ja auch niedrigen Blutdruck. Da trinken die Frauen immer gerne mal ein Gläschen zum Aufbauen. Habe ich schon ganz oft gehört. Okay, von mir aus. Ist ja deine Oma.
Jan klopft und tritt ein. Seine Mutter sitzt schon bei ihrer Mutter auf der Bettkante. Die beiden flüstern miteinander. Scheinbar um die Zimmernachbarin nicht zu stören. Sie scheint eingeschlafen zu sein. Jan geht leise zu Oma an’s Bett und gibt ihr einen Kuss. Du machst ja Sachen Oma. Warum bist du denn hier? Geht es dir richtig schlecht? Es geht schon wieder besser. Schlapp bin ich halt. Alleine zu Hause geht das nur ganz schlecht. Jetzt stellen die mich hier auf den Kopf. Jan fummelt an seiner Plastiktüte rum. Oma, ich hab‘ dir auch was mitgebracht. Mama meinte etwas zutrinken wäre das Beste. Bitteschön. Er drückt ihr die Flasche Sekt auf die Bettdecke. Verwundert blickt sie zwischen Tochter und Enkel hin und her. Dann hellt sich ihre Miene auf Mensch Jan, das ist genau das Richtige. Hast du auch einen Korkenzieher dabei? Brauchen wir nicht, Oma. Ist Drehverschluß! Hast du genügend Becher? Nee, aber geh mal auf die Toilette, da stehen immer Plastikbecher für Urinproben.
Jan, wenn du gehst, kannst du die Flaschen aus meinem Nachttisch mitnehmen. Die hat Regina mir besorgt, das Zeug trinke ich aber nicht.
Als Jan die drei Flaschen Rotbäckchen in seine Tüte steckt, kommt er in’s grübeln. Er blickt zu seiner Mutter. Mit roten Backen sitzt sie auf Omas Bett und nippt an ihrem Sektglas. Nee. Rotbäckchen hat sie wohl wirklich nicht gesagt.