Tageblog 9. November 2016

9. November 2016  Donald Trump wird zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt

 

Gemengelage

Mama, was ist das denn für ein Buch? Wo warst du denn da? Frederick guckt mir über die Schulter, während ich in dem Fotoalbum von meinem Amerikaaufenthalt blättere.
Als ich so alt war wie du, habe ich ein Auslandsschuljahr gemacht. Ich wollte unbedingt nach Amerika. Das war für mich damals das Größte. Ich bin auf einer Mädchenschule in Texas gelandet. Das war wirklich cool. Ich wohnte dort im Internat. Mein Zimmer teilte ich mir mit Juanita. Weißt du, meine Freundin aus Mexiko, die jetzt in Canada lebt. Die habe ich dort kennengelernt.
Ich betrachte die Fotos. Juanita und ich beim Thanks Giving mit Charlotte bei ihrer Familie in Denver. Wir beim skifahren in Vail. Als der Aufenthalt zu Ende war, haben meine Eltern mich abgeholt und wir haben noch eine zweiwöchige Amerika Rundreise angeschlossen. Auf einem Foto sieht man meinem Vater an einer Tankstelle. Stolz tankt er unser Wohnmobil. Daneben das Bild von der Fahrt durch die Rocky Mountains. Das ist jetzt fast 30 Jahre her. Damals habe ich mir geschworen, dass ich noch einmal zurückkomme und mindestens drei Monate durch die Staaten reise. Da ist nichts draus geworden und jetzt geht es nicht mehr. Seit Trump 2016 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden ist, hat sich einiges verändert. Die Flüchtlingscamps, die wir 2015 und 2016 errichtet hatten für die vielen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und vielen anderen Länder haben wir stehenlassen. Die Welle der Ausreisewilligen aus den USA hat 2017 -2019 fast unsere Kapazitäten gesprengt. Merkel hat einfach ihre „Wir schaffen das“ Mentalität  beibehalten und tatsächlich hat dieser Zustrom von amerikanischen Bürgern für eine interessante Bewegung gesorgt. Viel mehr amerikanische Familien finden eine Bleibe in deutschen Kommunen als es für die afrikanischen Flüchtlinge möglich war. Die Amerikaner haben sich aber mit den Afrikanern solidarisiert und angefreundet, sodass man sie oft zusammen antrifft. So findet über die „neuen“ Flüchtlinge eine verspätete Intergration der „alten“ Flüchtlinge statt. Wie die Italiener früher Pizzerien und die Griechen Gyros Läden und die Türken Döner Imbisse aufgemacht haben, gibt es mittlerweile schon einige Diner und syrische Teestuben. Die Brexit Engländer machen unseren Kneipen keine Konkurrenz. Die mischen vielmehr die Fußballstadien auf. Und ich habe jetzt einen Job. Im Diner. Ich kann nur sagen, Gott sei Dank. Ich koche da nämlich den Kaffee. Da will man den refill tatsächlich haben! Oder was meinen Sie, warum das der best-gehende-Diner der ganzen Gegend ist. Das liegt bestimmt nicht nur an den Öffnungszeiten. Meine Freundin Juanita ist damals nach Canada ausgewandert. Als Tochter mexikanischer Eltern war sie im Trump Land auch nicht willkommen. Die Amerikaner  haben sich in ihrem Land eingerichtet und Trump wiedergewählt. Was wir alle bei der Wahl 2016 nicht für möglich gehalten haben, ist noch einmal passiert. Mittlerweile sind wir durch unsere Flüchtlingspolitik in Deutschland natürlich keine gern gesehenen Gäste mehr im Land. Frederick wird sein Auslandsjahr nicht in Amerika machen können. Er findet es aber eh nicht so spannend wie ich damals. Ist es auch nicht mehr. Neil Young ist jetzt mein Nachbar.