Tageblog 12. November 2016

12. November 2016  Rettet die Kastanien
Aktionstag am 2. Samstag im November, ausgerufen von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zur Bekämpfung der Kastanienminiermotte

 

Den ganzen Tag haben wir Blätter aufgesammelt. Die Gemeinde stellt Pritschenwagen zur Verfügung, auf die wir die Blättersäcke werfen. Am Ortsrand auf einem freien Feld wird daraus dann ein Berg. Aus den vielen Blättern, die alle braune und schwarze Flecken haben. Oder schon ganz rostig aussehen und sich krümmen als hätten sie Schmerzen. Vielleicht ist das ja auch so, denn die Moniermotte ist in ihre Gewebe eingedrungen und hat ihre Eier dort abgelegt. Bis aus den Eiern Puppen geworden sind, fressen sich die Larven durch die Blätter. Ihre Fraßgänge verursachen die Braunfärbung.
Das Feuer am Abend ist die Belohnung für die Mühe des Blättersammelns. Andererseits ist es aber auch ein riesiges Begräbnis. Die Eier, Larven und Puppen, die sich noch an den Blättern befinden, werden alle getötet. Nur so kann man der Plage Herr werden und die Rosskastanie vor dem Befall schützen. Ob die Motten von irgendwoher zugucken? Wie ihre Kinder in den verschiedenen Entwicklungsstadien dem Feuer zum Opfer fallen? Mich macht das immer ganz melancholisch. Ich wohne in der Kastanienallee, ich habe besonders viele Kinder auf dem Gewissen. Ursprünglich wohl in einer unzugänglichen Gegend auf dem Balkan beheimatet, ist sie in einem Reisegepäck nach Österreich gelangt, um dort zu wissenschaftlichen Zwecken beobachtet zu werden. Von dort sind einige Exemplare entwischt und haben sich westwärts begeben. Ihr nächste Verwandte ist in Japan beheimatet. Wahrscheinlich ist sie im Zuge der Familienzusammenführung dahin unterwegs. Erst orientierungslos Richtung Westen, aber jetzt gibt es auch den Nachweis in östlicher Richtung. In der Türkei zum Beispiel wurde sie auch schon gesichtet.
Das Feuer brennt. Es knackt und dampft. Vor allem aber qualmt es. Plötzlich bin ich wie in Nebelschwaden eingehüllt in weiß-grauen Rauch. Er beißt in den Augen und reizt den Hals. Meine Augen tränen und ich muss husten. Einige Kinder haben ihre Laternen vom Martinsumzug dabei. Diese Inszenierung scheint mir der Miniermottenbeerdigung angemessen. Am nächsten Morgen gehe ich zurück zum Feuerplatz. Ich nehme etwas Asche in ein Einmachglas. Ich fliege nämlich nächste Woche nach Japan. Da will ich die Asche ausstreuen. Ich habe gestern auch noch heimlich ein Blatt mit nach Hause genommen. Vielleicht kann ich ja doch etwas für die Mottenfamilien tun.

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