Tageblog 16. November 2016

16. November 1532 – Der spanische Konquistador Francisco Pizarro unternimmt einen Eroberungszug ins peruanische Hochland und nimmt den Inkaherrscher Atahualpa fest.

Eldorado

Francisco war aufgewacht. Von seinem Traum. Darin hatte er das sagenhafte Goldland Eldorado entdeckt. Nicht nur unzählige, unfassbar wertvolle Schätze hatte er aus einem See heben lassen. Die Ureinwohner, die sich ihm ohne Kampf unterworfen hatten, zählten jetzt zu seinen Gefolgsleuten. Er war der Herrscher über Goldschätze und Menschenleben. Ein grausamer, aber gerechter König. Der Traum hat ihm gefallen. Das motivierte ihn, seine zermürbende Reise fortzusetzen. Bis jetzt war er weder einer großen Anzahl von Ureinwohnern begegnet, geschweige denn hat sich ihm ein Schatz offenbart.
Er will, so wie es seinem entfernten Verwandten Hernán Cortés gelungen war das Aztekenreich zu erobern, das Inkareich, von dem so viel gemunkelt wird, finden und sich einverleiben. Mit Mitteln des spanischen Königs ausgestattet, hatte aber noch keine der Expditionen zu einem Ziel geführt.
Im Traum hatte Francisco gesehen, dass er nur mit einer kleine Einheit an Fußsoldaten vorangeschritten war. So hatte er  tatsächlich nur 100 seiner besten Männer auf dem Marsch in das Landesinnere dabei. Den Rest seiner Mannschaft ließ er auf den Schiffen und gab Anweisung die von ihm neu gegründete Stadt San Miguel de la Piura zu bewachen und zu Wachstum, Ruhm und Ansehen zu verhelfen. Die benammen sich aber wie kleine Kinder, wenn die Eltern ausgegangen sind. Sie betranken sich und holten das beste Essen aus der Vorratskammer. Außerdem machten sie die neue Stadt zu einem Riesenbordell, sodass die Bevölkerung schnell zu wachsen began.Während sich die einen also in Piura vergnügten, hatten die anderen schwere Not. Die Reise führte sie durch tropischen Dschungel, was die Anzahl der Truppe schnell schrumpfen lies. Aber sie wussten, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Sie wurden beobachtet und hin und wieder kamen Boten von Atahualpa, dem Herrscher des Inkareiches, um auszukundschaften mit welchen Waffen sie unterwegs waren und mit ihnen zu verhandeln.Vordergründig erweckte Francisco den Eindruck er sei an Verhandlungen interessiert, aber eigentlich nutzte er die Boten als Wegweiser.
Endlich sind sie da. Francisco und seine Mannen sind beeindruckt. Vor ihnen steht Atahualpa, der Herrscher des Inkareiches. Ein stattlicher Mann von muskolösem Körperbau, feinen und entschlossenen Gesichtzügen.
Hier, nimm die Bibel und schwöre auf das Wort Gottes. So kannst du dich zum Christentum bekennen und dich der spanischen Krone unterwerfen.
Atahualpa runzelt die Stirn. Er nimmt das Buch. Er hält es an sein Ohr. Er schüttelt es.
Ich höre nichts. Er schüttelt noch einmal. Es ist kaputt. Wie könnt ihr es wagen, dem Herrscher des Inkareiches ein kaputtes Orakel zu geben. Empört schleudert er die Bibel von sich auf den staubigen Boden.
Der Geistliche bekreuzigt sich und hebt die Bibel auf. Franciscos Truppen begreifen das Verhalten Atahualpas als Affront und beginnen sofort mit ihren Feuerwaffen auf die Inkas zu schießen. Ihren König nehmen sie gefangen. Da die Spanier den Inkas zahlenmäßig stark unterlegen waren, diente der Gefangene als Geisel, über den sie einige Forderungen erpressen konnten. So wurden sie erst einmal königlich bewirtet und konnten sich der Körperpflege hingeben. Der anstrengende Marsch durch den Dschungel hatte die Spanier arg geschwächt und sie stanken und waren sehr schmutzig. Durch das leckere Essen gestärkt und durch die Körperhygiene wieder gesäubert, kam ihre helle Hautfarbe wieder zum Vorschein und da die Farbe weiß für die Inka als heilig gilt, verhielten sie sich den Eroberern gegenüber demütig. Atahualpa, auch beeindruckt von ihrer weißen Haut, bot ihnen für seine Freilassung zehn Häuser voller Gold an. Und noch drei Häuser voller Silber. Fransisco stimmte dem Vorschlag zu. Da es eine zeitlang dauern würde bis das ganze Gold und Silber von seinen Leuten im Reich eingesammelt und eingeschmolzen wäre, freuten sich die Spanier auf eine längere Ruhepause. Allerdings kam der Bote, den Fransisco nach Piura geschickt hatte, mit der Kunde zurück, dass seine Leute dort eher den Müßiggang pflegten, als die Geschicke der Stadt günstig zu lenken. Das veranlasste Francisco zu dem Schritt, doch schon, als erst sieben Häuser mit Gold und zwei mit Silber gefüllt waren, sich auf den Rückweg zu machen. Er brauchte eine ganze Horde von starken Inka Männern, um die Beute an’s Meer tragen zu lassen, wo er den Schatz auf seine Schiffe verladen wollte, um Karl I. seine Beute zu huldigen.
Atahualpa wurde jeden Tag auf dem Weg zum Meer von dem spanischen Geistlichen besucht. Er zeigte ihm die Bibel und begann daraus vorzulesen. Atahualpa verstand, dass die Worte, die der Mönch sprach, aus diesem Buch kamen. Und nur wer so verhext wäre, wie der Pater, hatte über einen Gott die Möglichkeit, Gottes Worte zu sprechen. Er wollte auch verhext werden. Er lies sich von dem Dominikaner das Lesen beibringen. Als sie in der Hafenstdt ankamen, konnte Atahualpa schon einfache Sätze lesen. Er lies sich in der Schiffskapelle taufen.
In Piura angekommen, schleppten die Männer drei Tage und Nächte lang das Gold und das Silber auf die Spanische Flotte. Eine kleinen Teil des Schatzes lies Francisco in der Stadt, in der er den Mönch und den Inkakönig als Stadthalter einsetzte. Die beiden wurden ein Paar und regierten mit Umsicht und Klugheit. Die Stadt entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für Einheimische und spanische Abenteuerer. Sowohl Kirchen als auch Tempel gehörten zum Stadtbild von Piura.
Die Flotte von Francisco Pizarro kam nie in Spanien an. Man geht davon aus, dass die Schiffe auf Grund ihrer schweren Last im Atlantischen Ozean untergegangen sind.
Seit dieser Zeit versuchen Taucher immer wieder dieses Eldorado zu finden, was aber bis heute noch niemandem gelungen ist.

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