Tageblog 27. November 2016

27. November 1942    Geburtstag Jimi Hendrix

 

Hey Joe

Hear my train a comin‘
Purple Haze
The wind cries Mary
Bold as Love
Machine Gun
All along the Watchtower

 

27. November 1961 – Die Chemie-Firma Grünenthal nimmt das Schlafmittel „Contergan“ vom Markt. Nach der Einnahme hatten Ende der 1950er Jahre tausende Mütter missgebildete Kinder zur Welt gebracht.

Die Hebamme blickt entsetzt zu ihrem Arzt. Wie sieht denn das Kind aus. Schnell wird es in Tücher eingeschlagen und dem Blick der Mutter entzogen. Als es untersucht und angekleidet ist, wird das Kind Marianne in den Arm gelegt. Betreten guckt die Hebamme am Bett vorbei, als Marianne anfängt zu weinen. Ein behindertes Kind! Eine Schande! Dabei hatte sie sich so auf den Sohn gefreut, nach den drei Mädchen. Aber warum? Die ersten drei Kinder waren doch auch gesund.
Zu Hause angekommen, stehen die drei Schwestern ganz gespannt an der Haustür. Endlich kommt Mama mit den Bruder nach Hause. Der Papa hat gesagt, er ist nicht ganz gesund, aber die Mädchen können sich darunter nichts vorstellen. Als Bruno endlich ausgepackt bei Mama auf dem Schoß sitzt, sehen sie was Papa meint. Bruno hat keine Arme. Die Finger sitzen direkt an dem Schultergelenk, und es sind auch nur vier Finger auf jeder Seite, zum Teil verkrümmt. Die Mädchen runzeln die Stirn. Das soll ihr Bruder sein? Petras beste Freundin Ute hat auch vor zwei Monaten einen Bruder bekommen. An dem ist aber alles normal. Petra dreht sich um und läuft aus dem Zimmer. Sabine und Ruth stehen immer noch neben dem Wohnzimmerschrank. Wollt ihr nicht mal näher kommen? fragt Marianne Bruno ist sonst ganz normal. Die Mädchen kommen zögernd näher. Mama warum sieht er denn so komisch aus? fragt Sabine. Jetzt passen ja die ganzen Oberteile gar nicht. Da müssen wir die Ärmel abschneiden. Ja, du hast recht. An der Garderobe müssen wir etwas ändern. Da könnt ihr mir helfen. Bruno ist ganz still und hat die Augen ein wenig geöffnet. Meinst du er versteht was wir sagen? fragt Ruth Nein, ich glaube nicht, dass er uns versteht. Aber er spürt, ob wir in freundlicher Absicht sprechen, oder von bösen Gedanken geleitet sind. Darum würde ich vorschlagen, wir versuchen es mit freundlich. Wie immer.  Mama, gehst du etwa mit dem Krüppel spazieren? Petra sieht, wie ihre Mutter den Bruder in den Kinderwagen legt. Hoffentlich begegnest du niemandem. Das ist ja peinlich. Sabine und Ruth haben auch ihr Jacken angezogen und gehen hinter der Mutter her. Marianne wischt sich die Tränen aus den Augen und schiebt den Wagen auf den Gehweg. Das hat sie im Krankenhaus selbst gedacht. Dass sie Angst hat vor dem Ausfahren im Kinderwagen, die Blicke der Leute, Fragen, keine Antworten. Zum Glück sind Ruth und Sabine dabei, die lenken sie ab. Ruth dreht sich um und schreit ihrer Schwester zu Du hast ein verkrüppeltes Herz. Hoffentlich begegnet dir niemand.
Ruth,
tadelt sie die Mutter, zu Petra müssen wir auch nett sein. Sie hat es anscheinend besonders getroffen. Irgendwann geht sie bestimmt auch mal mit spazieren. Wir müssen ihr noch etwas Zeit geben. Ich bin froh, dass du und Sabine es leichter nehmt. Die beiden haben einer ihrer Puppen die Arme abgemacht und spielen jetzt immer Vater, Mutter, Kind mit dem Baby Bruno ohne Arme. Die Ärmel an den Oberteilen für Baby Bruno sind hochgerafft und mit Sicherheitsnadeln festgesteckt, damit andere Puppen die Sachen auch noch tragen können. Da kann Marianne sich bestimmt noch etwas abgucken.