Tageblog 4. Dezember 2016

4. Dezember   Hl. Barbara

 

Hexenturm

Barbara sitzt in ihrem Turm in Köln. Sie schaut aus dem Fenster. Das Leben draußen geht seinen Gang. Ob sie da ist oder nicht, das scheint keine Relevanz zu haben. Als sie vor vielen Jahren in den Turm ging, warnte sie ihr Vater und sagte: wenn du da reingehst, kommst du niemals wieder heraus. Und solltest du doch herauskommen, dann kenne ich dich nicht mehr. Überlege es dir gut. Barbara überlegte es sich gut. Sie ging in den Turm und ihr Vater sollte Recht behalten. Nicht nur er, auch viele Freunde und Freundinnen kehrten ihr den Rücken. Jetzt wo sie sich mit Feminismus beschäftigte. Pfui, wie kann eine Frau das ernsthaft betreiben? Da muss sie ja lesbisch sein. Und mit denen wollte man erst recht nichts zu tun haben.
Barbara seufzt. Viel geändert hat sich in den vergangenen 45 Jahren nicht.  Einerseits. Obwohl doch viele Fortschritte erzielt worden sind, ist das Bild der emanzipierten und feministischen Frau in der Öffentlichkeit alles andere als angesehen.
Barbara setzt sich an den Computer und liest das Kalenderblatt vom 4. Dezember. Heute ist Barbaratag. Ihr Namenstag. Der Gedenktag der Hl. Barbara. Sie war eine christliche Jungfrau und Märtyrerin. Sie ist für ihren Glauben gestorben. Ein bißchen ist die Abkehr der Freunde auch wie sterben. Sie führt jetzt ein anderes Leben.
Ihr Email Account poppt auf. Eine Nachricht von Christina. Sie lebt seit über vierzig Jahren in einem Leuchturm an der spanischen Küste. Für das Meer um sie herum spielt es auch keine Rolle ob sie da ist oder nicht. Christina dagegen genießt den Anblick der ständig sich brechenden Wellen und die wohltuende Farbreduktion auf blaue, graue, weiße und braune Töne. Jeder Tag malt ein anderes Bild in vier Farben.
Noch eine Nachricht. Diesmal aus dem Elfenbeinturm. Von Bastian. Er hat gerade mächtige Probleme mit der kindlichen Kaiserin und Atréju. Er fragt sie was er tun soll. Du musst Atréju vertrauen, dann wird alles gut antwortet Barbara ihm, denn seine Geschichte ist schon geschrieben.
Die Geschichte des Feminismus steht gerade am Anfang. Barbara ist von Anfang an dabei und schreibt als Zeitzeugin alles auf. Sie dokumentiert, katalogisiert, legt ein Archiv an und beobachtet die Menschen. Vielleicht ist ihre Geschichte auch schon geschrieben.
Wem könnte sie vertrauen, damit dann alles gut wird?

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