Tageblog 13. Dezember 2016

13. Dezember Luciafest in Schweden, traditionelles Fest der Lichterkönigin Lucia

Ein etwa fünfjähriges in ein wasserdichtes graues Rattenkostüm
eingenähtes Mädchen betrete, auf dem Rücken einen Rucksack
und auf dem Kopf einen Adventskranz mit vier brennenden Kerzen,
das Erfinderzimmer…

                                                                       (aus: Hoppe, Roman von Felicitas Hoppe, Frankfurt 2012)

 

Lichtgestalten

Es muss ganz dunkel sein, wenn die Kerzen entzündet werden. Sie blickt in den Himmel. In der längsten Nacht des Jahres wird dem Licht gehuldigt. Lucia legt ihr weißes Gewand an und bindet eine rote Schärpe unterhalb des Busens, um die Stofffülle zu bändigen. Sie nimmt ihren roten Rucksack und setzt ihn auf den Rücken. Diese Tradition ist neu. Seit die Nachtwanderung bis zum Morgengrauen dauert, hat sie Kerzen, Streichhölzer und Proviant dabei. Dann nimmt sie den Kranz und setzt ihn auf den Kopf. Sie entzündet vor dem Spiegel die vier weiße Kerzen und tritt vor die Tür. Draußen warten schon andere weißgekleidete Jungen und Mädchen mit roten Rucksäcken und bilden einen Umzug. Lucia schließt sich ihnen an. Gemeinsam gehen sie bis zum dunkelsten Punkt. Der Weg dorthin ist weit und unterwegs schließen sich immer mehr Kinder an. Obwohl es kalt ist und die Kinder nur ihre weißen Gewänder tragen, frieren sie nicht. Sie essen die Luciabrötchen, die sie bei sich tragen und trinken heißen Tee. Schon von weitem sehen sie das riesige Feuer, dass den dunkelsten Punkt in den hellsten Fleck verwandelt. Sie nehmen alle ihre Kränze vom Kopf und legen sie in die dafür aufgestellten Halterungen ab. Die Kerzen werden ausgelöscht, sodass nur die Feuerstelle den Ort erhellt. Alle legen sich auf die Erde und allmählich steigt ein Wind empor, der das Feuer bis in den Himmel peitscht. Die weißgekleideten Geschöpfe werden durch die Luft gewirbelt und wieder am Boden abgesetzt. Die Verbundenheit mit den Elementen erreicht ihren Höhepunkt, wenn ein gewaltiges Gewitter das Feuer löscht und der Blitz die Kerzen der Kränze wieder entflammt. Jedes Kind nimmt seinen Kranz, setzt ihn auf den Kopf und tritt die Rückreise an. Lucia geht mit Ben. Sie bleiben hinter den anderen zurück und wählen einen anderen Weg. Wie seit fünf Jahren schon. Auf ihrem Umweg kommen sie an einem Brunnen vorbei, aus dem sie immer einen Eimer Wasser hochziehen. In dem Eimer liegt immer eine Goldmünze. In dem Märchenbuch von Bens Urgr0ßeltern gibt es eine Geschichte, in der ein Junge immer in der Lucianacht eine Goldmünze aus einem Brunnen hochzieht. Mit der siebten Goldmünze erscheint ihm die Heilige Lucia, die ihn auf ihren Lichtstrahl einlädt und ihn in das Land Lumen entführt. Dieses Mal ist er noch mit Lucia untewegs, aber
nächstes Jahr will Ben alleine den Rückweg antreten.