Tageblog 5. Februar 2017

5. Februar 1997 – Das russische Parlament verabschiedet erneut ein Gesetz, das die sogenannte Beutekunst zum Eigentum Russlands erklärt

Kellerkunst

Was passiert eigentlich mit den ganzen Bildern im Keller? Gehören die alle Oma? Die kann sie ja nicht mit in’s Altersheim nehmen. Selbst wenn sie in ihrem kleinen Zimmer die Wände voll hängen wollte, hätte sie immer noch welche übrig. Alexej guckt seine Eltern an. Nehmt ihr die jetzt mit? In euren Keller? Ach, die Bilder murmelt seine Mutter die habe ich ganz vergessen. Nein, Oma kann sie nicht mitnehmen. Wir packen sie in Kartons und laden sie erst einmal in’s Auto. Als Alexej im Keller verschwunden ist, guckt Irina ihren Mann Alexander fragend an. Ich wäre die Bilder schon gerne los. Aber in den Kunsthandel können wir sie nicht geben. Obwohl sie wahrscheinlich viel Geld wert sind. Aber dein Vater hat sie damals aus dem Güterwagen geklaut, der geraubte Kunstschätze von Deutschland nach Russland gebracht hat. Alexander zuckt mit den Achseln. Du weißt, ich denke da genauso drüber wie die russische Regierung. Der Zweite Weltkrieg hat so viel Verwüstung hinterlassen, da ist die Beutekunst eine kleine Entschädigung für unser entstandenes Leid. Aber natürlich ist es schwierig die Bilder auf den Markt zu bringen. Vielleicht könnten wir uns ein oder zwei in die Wohnung hängen. Irina schüttelt den Kopf Ich weiß nicht. Ich fühle mich nicht wohl mit einem geraubten Bild über meinem Sofa. Nein, ich denke sie kommen wieder in den Keller.
Mit einem Karton in der Hand lehnt Alexej am Türrahmen. Er hat alles gehört. Spinnt ihr? Die Sachen wieder im Keller einmotten? Und wenn ihr dann sterbt, stellt sich die Frage wieder von neu? Nein! Wenn Oma nicht danach fragt, und das tut sie bestimmt nicht, sie fragt ja nicht mal mehr nach uns, dann ist jetzt die beste Gelegenheit die Beute wieder zurückzugeben. Es gibt eine lange Liste von Kunstwerken, die seit der NS-Zeit als Verschwunden gelten. Wenn man will, hat man die Möglichkeit Beutekunst wieder zurückzugeben. Oftmals bekommt am dafür auch eine Entschädigung. Ich kann mich darum kümmern. Ich setze mich gleich morgen mal an meinen Rechner. Nein, Alexander ist aufgestanden und kommt auf seinen Sohn zu. Du bringst die Kartons in’s Auto, zu Hause bringst du sie in den Keller. Da bleiben sie stehen, bis man mich aus meinem Haus mit den Füßen zuerst rausträgt. Dann gehören sie dir und erst dann kannst du dir überlegen, was du mit ihnen machst. Zurückgeben. Die Flausen hast du bestimmt von deiner deutschen Freundin. Alexander geht an seinem Sohn vorbei in den Keller. Dort nimmt er selbst eine Kiste und bringt sie in‘ s Auto. Komm‘ Irina, schau‘ nicht so. Sie kommen wirklich in den Keller. Keines an die Wand, obwohl ich den Tizian im Wohnzimmer schon schick fände.

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