Tageblog 22. Februar 2017

24. Februar 1857        Geburtstag von Robert Baden Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung

early bird

Ich kroch aus dem Zelt. Es herrschte schon reges Treiben. Ich blickte auf meine Armbanduhr: 8:23 Uhr. Mir fehlte die Orientierung, aber als ich die Schlange vor der Plastikschüssel sah, an der sich gewaschen und die Zähne geputzt wurden, stellte ich mich an. Meinen Blick starr nach vorne gerichtet, blickte in in Wahrheit nach innen. So konnte ich die anderen beobachten. Sie standen meist in zweier Grüppchen und unterhielten sich. Einige schienen zu frieren, die Härchen auf der Haut standen stramm. Einige zeigten noch Wunden ihres Schlafes, verknitterte Haut und rote Flecken. Die Pickel traten in dem grellen Morgenlicht in freier Natur deutlich hervor. Die Haare verstruwelt.
Die Schlange bewegte sich langsam. Bei jedem fünften Benutzer wurde das Wasser erneuert. Ich zählte durch. Puh, Glück gehabt. Wenn ich an der Reihe wäre, müsste frisches Wasser in der Schüssel sein.
Der Junge vor mir geht ohne sich zu säubern nach links ab. Jetzt stehe ich vor der Schüssel. Ich höre die Stimme Die Reihenfolge ist dir überlassen. Du kannst erst die Zähne putzen und dann das Gesicht waschen oder umgekehrt. Aber du musst das Wasser mit dem du den Mund ausspülst wieder zurückspucken, sonst geht zu viel verloren. Darum nimm besser nicht so viel Zahnpasta. Ich beugte meinen Kopf über die Wasseroberfläche. Weiße Schaumkringel mit kleinen Erhebungen, die an Spucke erinnerten, schwammen darauf. Ich tauchte mit gefalteten Händen in der Mitte ein und schob den weißen Vorhang beiseite. Die Unterkante meiner Hände führte ich vom Rand durch das Wasser wieder zur Mitte und hob mit dem so gebildeten Handteller etwas von der Brühe heraus und benetzte mein Gesicht. Das Handtuch hatte ich im Zelt vergessen. Ich wischte mit dem Armrücken über mein Gesicht. Ich spürte die Gänsehaut und die Übelkeit. Als ich die Zahnpasta im Mund schmeckte wurde mir klar, dass nach mir das Wasser weggeschüttet und frisches eingefüllt würde. Ich spuckte das Spülwasser ohne schlechtes Gewissen aus.
Auf dem Weg zum Zelt hörte ich das Ausgießen und das Nachfüllen an der Waschstation. Ich blickte auf meine Armbanduhr. Ich stellte den Wecker auf 6:30 Uhr.

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