Tageblog 19. April 2017

19. April Bicycle Day  Der schweizer Chemiker Albert Hofmann erlebt LSD Rausch

Der bewusste LSD-Selbstversuch (wikipedia)

Um diesem ungewöhnlichen Erlebnis auf den Grund zu gehen, entschied er sich am 19. April 1943, die Substanz mit der kleinsten für ihn denkbaren wirksamen Dosis im Selbstversuch zu testen, und protokollierte das Erlebnis drei Tage später

„16:20 Einnahme der Substanz
17:00 Beginnender Schwindel, Angstgefühl, Sehstörungen, Lähmungen, Lachreiz.
Mit Velo nach Hause. Von 18 – ca. 20 Uhr schwerste Krise, siehe Spezialbericht:
Die letzten Worte konnte ich nur mit grosser Mühe niederschreiben. […] die Veränderungen und Empfindungen waren von der gleichen Art [wie gestern], nur viel tiefgreifender. Ich konnte nur noch mit grösster Anstrengung verständlich sprechen, und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch informiert war, mich nach Hause zu begleiten. Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad […] nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Fahrrad nicht vom Fleck zu kommen. Indessen sagte mir später meine Assistentin, wir seien sehr schnell gefahren. [Zu Hause angelangt] wurden Schwindel und Ohnmachtsgefühl zeitweise so stark, dass ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich auf ein Sofa hinlegen musste. Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt. […] die vertrauten Gegenstände nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt. Die Nachbarsfrau […] war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze. etc. etc.“

Später beim Ausklang des Rausches:

„Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu geniessen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schliessend, in Farbfontänen zersprühend, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluss. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch einer Türklinke oder eines vorbeifahrenden Autos, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugte ein in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechselndes Bild.“

Protokoll einer Putzfrau
„16:20 Uhr Gespräch mit einer Arbeitskollegin über die Arbeit, die auf mich wartete.
Mit Straßenbahn zur Arbeitstelle. Von 17 – ca. 20 Uhr schwerste Krise, siehe Spezialbericht: 17:00 Uhr Angstschweiß bricht aus, als ich den Schlüssel in der Tür drehe und über die Schwelle trete. Beginnender Schwindel, Angstgefühl, Sehstörungen, Lähmungen, Lachreiz.
Die letzten Worte konnte ich nur mit grosser Mühe niederschreiben. […] die Veränderungen und Empfindungen waren von der gleichen Art [wie gestern], nur viel tiefgreifender. Ich konnte nur noch mit grösster Anstrengung verständlich sprechen, und bat die Katze, die über mein Vorhaben informiert war, mich nicht alleine zu lassen. Ich stellte meine Tasche ab und machte die Kaffeemaschine an. Erst einmal einen Kaffee. Während ich hörte wie die Tropfen in die Glaskanne fallen, machte ich mich am Putzschrank zu schaffen und stellte eine Kollektion von Arbeits- und Putzmitteln zusammen. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Staubsauger nicht vom Fleck zu kommen. Indessen sagte mir später die Katze, ich sei sehr schnell gefahren. Schwindel und Ohnmachtsgefühl wurden zeitweise so stark, dass ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich auf ein Sofa hinlegen musste. Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt. […] die vertrauten Gegenstände nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Das Waschbecken und die Badewanne sprachen zu mir. Sie wollten sauber gemacht werden, aber sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt. Die Nachbarsfrau […] war nicht mehr Frau R., sondern ein gutaussehender junger Mann mit Ohrring, der Ähnlichkeit mit Meister Proper hatte. Die Katze sprang ihm dauernd hinterher, während ich versuchte die Badewanne mit dem Kaffeewasser zu reinigen  etc. etc.“

Später beim Ausklang des Rausches:

„Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu geniessen, und fand gefallen an den braunen Streifen, die im Zebramuster die Badezimmerkacheln zierten. Ich spürte, dass ich den größten Teil der Arbeit erledigt hatte und kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein. Die Entspannung führte dazu, dass ich mich kreisend und in Spiralbewegungen öffnete und wieder schloss. Ähnlich einem Gebärvorgang. Darauf folgte ein in Farbfontänen zersprühendes Erlebnis, dass einem Orgasmus gleichkam, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluss. Erst Geburt, dann Orgasmus, das machte mir zu schaffen. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch des Staubsaugers oder der kreischenden Katze, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugte ein in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechselndes Bild. Unter Lachreiz schreibe ich folgende Botschaft: Den Job als Putzfrau kann ich nicht mehr lange machen. Ich lege den Zettel auf den Glastisch und mache es mir in der Stehlampe gemütlich.

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