8. August 2018

Auf ein Bier mit Horst

Höchststrafe

Klar, dass Horst heute seinen Hund in meinen Garten schickt. Er ihn lauthals ermahnt, nicht sein Geschäft in meinen Rabatten zu erledigen. Klar, dass ich das auch verhindern will und sofort mit einem Frühstücksbeutelchen bewaffnet zur Vordertür rausstürme.
Aber sowohl Herrchen als auch Hund stehen brav auf dem gepflasterten Gehweg und scheinen intensiv in die Betrachtung der Randsteine zwischen Beet und Steinplatten vertieft. Beide heben den Kopf als ich erscheine und mit fragendem Blick auf meine Grünflächen blicke. Hallo Frau Nachbarin ruft Dieter und der Hund wedelt mit dem Schwanz so ein Zufall.
Ich dachte ich hätte gerade etwas von „nix wie runter da, nicht in den Garten der Nachbarin…“ gehört. Darum wollte ich, sollte das Malheur schon passiert sein, Sie bei der Beseitigung desselben unterstützen
erwiderte ich.

Dieter schüttelt den Kopf. Hier ist alles clean, aber sagen Sie mal, die Richter in Staufen, sind die noch ganz sauber? Haben Sie das gelesen? 12 1/2 Jahre für die Mutter und 12 Jahre mit anschließender Sicherheitsverwahrung für den Freund der Mutter. Warum nicht die Höchststrafe? Was muss denn noch passieren, damit das Strafmaß ausgeschöpft wird? 15 Jahre wären möglich gewesen, warum weniger? Zumal die Zombiemutter noch nicht mal zur Aufklärung beigetragen hat, die hat ganz oft nix gesagt und auf ihr Verweigerungsrecht hingewiesen. Was ist denn das für eine Welt…

Dieter war merklich angegriffen. Dieter, wollen Sie auf einen Schluck Rosé auf meine Terrasse kommen? Habe ich Ihnen schon erzählt, dass mein Sohn in einem Weinladen jobt und mir jetzt ganz oft Wein vorbeibringt zum Verkosten? Er erwartet in kürzester Zeit eine Rückmeldung. Der Wein steht kalt und zu zweit trinkt es sich leichter, außerdem bekommt mein Sohn so noch eine zusätzliche Meinung.

Dieter schaut erst zu mir und dann zu seinem Hund. Horst, da muss ich dich wieder nach oben bringen, wenn ich die Einladung von Frau König annehmen soll. Ach lassen Sie, das geht schon in Ordnung. Horst kann vielleicht einfach im Garten liegen, was meinen Sie? Zur Not habe ich ja noch das hier sage ich und wedele mit den Plastiktüten.

Ich bin ja gar kein Weintrinker sagt Dieter, als das Glas Roséwein vor ihm steht Ich trinke das aber jetzt versichert er schnell, als er meinen irriterten Blick sieht. Das müssen Sie aber nicht, ich habe auch ein Bier kalt stehen, wenn Ihnen das lieber ist. Dieter guckt mich erleichtert an Wenn es keine Umstände macht…
Nachdem ich auch Horst eine Wasserschüssel in den Garten gebracht habe, trinke ich einen großen Schluck aus meinem Glas und schütte Dieters Wein dazu. Als Dieter sich den Schaum von den Lippen leckt, geht es auch schon weiter Was da alles strafmildernd angerechnet wird, dass der Kerl bereitwillig Auskunft gegeben hat, zur Überführung einzelner Täter beigetragen hat, er sich selbst bezichtigt hat und so weiter und na und? Das macht der doch nur, damit die glauben er ist gar nicht so ein mieser Kerl wie das gerade ausschaut. Das ist alles Berechnung. Geh mir weg mit so Typen, nur weil der jetzt auf lieb Kind macht, kriegt er nicht die Strafe die er verdient. Schöner Scheiß, und das eigentliche Kind? Wer denkt an das Kind, das ist doch bis an sein Lebensende gezeichnet und der Wichser kriegt Strafminderung! Ich bin damit überhaupt nicht einverstanden.

Mittlerweile ist Horst zu uns an den Tisch gekommen und leckt Dieter die Hand. Er tätschelt den Hundekopf und starrt versunken auf seine – leere – Bierflasche.

Ja Sie haben recht, ich habe mich auch gefragt, wie man einen vorbestraften Sexualstraftäter so in Versuchung führen kann. Ich stelle Dieter eine neue Bierflasche vor die Nase und schenke mir großzügig aus der Weinflasche nach. Ich nehme einen Schluck und lasse ihn geräuschvoll in meinem Mund hin und her fließen. Mein Sohn will schließlich eine Einschätzung. Ich hoffe das Thema der Unterhaltung beinflußt nicht meine Wahrnehmung. Da agieren die Behörden viel zu schwach. Wenn man dagegen ein herrenloses Gepäckstück entdeckt, oder jemand unerlaubt in den Sicherheitsbereich des Flughafens eindringt, wird sofort ein terroristischer Akt in Betracht gezogen und die ganze Maschinerie zum Schutz des Staates und seiner Bewohner wird in Gang gesetzt. Der Schutz eines einzelnen Kindes scheint ungleich schwieriger.

Horst ist aufgestanden und läuft Richtung Rosenbeet. Bevor er jedoch an Purple Rain das Bein heben kann, hat Dieter ihn schon zurückgepfiffen Horst, kommst du jetzt her. Hier wird nicht in die Blumen gepinkelt, hörst du. Frau Nachbarin, ich denke es wird eh Zeit, dass ich meine Hunderunde drehe. Vielen Dank für das Bier. Vielleicht kann ich mich ja mal revanchieren. Ich habe auch immer einen selbstgemachten Eierlikör auf Lager kniept Dieter mir zu. Und mit Blick auf die fast leere Weinflasche eine Flasche Wein treibe ich auch noch auf, wenn Sie lieber mehr mit weniger Alkohol mögen. Komm‘ Horst, wir sind durch die Tür. Ich finde den Weg schon, machen Sie sich keine Mühe.

Während die beiden sich trollen, gieße ich den Rest Rosé in mein Glas. Eine ganze Flasche Wein innerhalb einer halben Stunde. Ich lege mich aufs Sofa und denke über das Urteil von Staufen und den Wein nach. Beides nicht nach meinem Geschmack.

 

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