Tageblog 1. Oktober 2019

1. Oktober 2018 – Der Internationale Gerichtshof in Den Haag weist Boliviens
Forderung nach einem eigenen Zugang zum Meer durch chilenisches Gebiet zurück und beendet damit einen über 100 Jahre währenden Grenzstreit zwischen den beiden südamerikanischen Ländern.

 

Grenzfall       

Ich lasse mir in der Bibliothek den Atlas vorlegen und schlage das Inhaltsverzeichnis auf. Diesmal suche ich Südamerika. Ich blättere auf Seite 92 und betrachte die Karte mit dem lateinamerikanischen Kontinent. Ich kann mich nur schwer entscheiden. Die Farben gefallen mir alle gut. Ich schwanke zwischen dem Lila Perus und dem Hellblau von Paraguay. Dazwischen liegt in rosa: Bolivien. Ich frage nach einem Blatt Papier und einem Bleistift und  ziehe die Landesgrenzen aller drei Länder nach. Die Farben denke ich mir dazu und trage alles innerhalb der Umrisslinien ein, was mir zu Farbe, Form und Name einfällt.
Peru. Lila, kalt, Berge, Azteken, Folklore, Wasser, blau, bunt, braune Menschen, schwarze Haare, Maya, dünne Luft.
Tina – ist das nicht prima
Was für ein Klima;
Haben wir hier schlechtes Klima
Fahren wir sofort nach Lima.
Paraguay. Hellblau, Uruguay, Fußball, Asunción, Roque Santa Cruz, para ara.
Bolivien. Rosa, in der Mitte La Paz eingeschlossen, oliv.
In der Tageszeitung entdecke ich Nachrichten aus den drei Ländern:
Schwangere Zehnjährige in Paraguay – in Paraguay soll ein Mann seine zehnjährige Stieftochter vergewaltigt haben. Eine Abtreibung wird ihr in dem streng konservativen Land aber verboten.
Bolivien will zurück ans Meer – seit 136 Jahren trauert Bolivien um seine Pazifikküste. 1879 verlor Bolivien im Krieg gegen Chile 120.000m2 Land und den Zugang zum Meer. Zum wiederholten Male geht Bolivien vor Gericht. Der Gerichtshof in Den Haag soll nun klären, ob Chile wieder Land abgeben muss.
Soldaten sollen Gewalt bei Minen-Protesten stoppen – die peruanische Regierung hat Soldaten in ein Tal an der Südküste des Landes geschickt, in dem Proteste gegen eine geplante Kupfermine in Gewalt umgeschlagen sind.
Bolivien ist mein Favorit. Rosa und keine beängstigende Schlagzeile. Das Land ist mit seiner Identität beschäftigt. Es versucht, ein Trauma zu verarbeiten. Vielleicht würde es ihm sogar gelingen, die alten Zustände wieder herzustellen und einen Zugang zum Meer zu erhalten. Eingehend betrachte ich die Landkarte. Ich fahre mit dem Finger die Grenze entlang. Dabei bleibt mein Finger nicht immer auf der Grenze, sondern rutscht ab und zu in das Landesinnere. Die rosa Farbe wird von meiner Haut aufgenommen. Erst ist es nur der rechte Zeigefinger, dann die anderen Finger, die Handfläche, der Arm. Sowohl mein Körper als auch meine Kleidung haben die Farbe von Bolivien angenommen. Ich versuche mit meinem Körper das Land abzubilden. Ich lege mich auf den Boden in der Form von Bolivien. Dabei spüre ich, wie gut es tun würde, wenn der Zugang zum Meer wieder gegeben wäre. Ich atme tief durch und schiebe mein Bein über die chilenische Grenze zum Pazifik.

 

Enttäuscht nehme ich mein Bein wieder zurück. Ich stehe auf und gehe duschen. Mit dem rosa Wasser im Abfluss entschwindet auch meine Hoffnung auf Meerblick in Bolivien.

 

 

9. August 2018

9. August 2018 US- Forscher stellen fest, dass Männer die Boxershorts tragen, mehr Spermien haben als Männer die engsitzende Unterhosen bevorzugen

Be aware of tight underwear

Männer, die Boxershorts tragen, haben mehr Spermien als die Männer, die auf eng sitzende Unterhosen abfahren. Das hat eine Untersuchung unter Männern ergeben, die wegen unerfülltem Kinderwunsch eine Klinik aufgesucht hatten. Da so viele Faktoren dabei eine Rolle spielen, stellt die Form der Unterhose wahrscheinlich eher einen kleinen  Baustein in diesem Puzzle da. Aber die Temperatur der Hoden ist relevant und denen wird es bestimmt wärmer in einer engen Umgebung als beim lockeren umherbaumeln.

Ich nutze diese Information jetzt gegen unerwünschten Kindersegen. Die karierten und farbigen Boxershorts meiner Söhne habe ich ausgetauscht gegen engsitzende, voll coole schwarze Unterhosen von Calvin Klein, Hugo Boss und Hanes. Außerdem habe ich ihnen eine wollene Matratzenauflage unter das Betttuch gelegt. Selbstverständlich liegen auch Wollkissen an ihrem Platz am Esstisch. So oft es geht, setze ich ihnen eine Katze auf den Schoß, damit sie das Fell durchkämmen. Sollte sich eine feste Beziehung anbahnen und ich bin immer noch für die Unterhosen zuständig, würde ich wieder auf die lockere Variante umsteigen.

 

Tageblog 5. Juli 2017

(vor einem Jahr, am 6. Juli 2016 präsentierte die Hl. Ursula erstmals öffentlich einen Blog Beitrag. Sie hatte sich vorgenommen, ein Jahr lang jeden Tag einen Text zu bloggen. Das Ziel hat sie mit dem heutigen Tag erreicht. Ab morgen geht es anders weiter.)

 

5. Juli 1946      Louis Réard präsentiert erstmals öffentlich einen Bikini 

Bikinifigur – Alle Jahr wieder. Im Frühjahr geht es los: In nur sechs Wochen zu ihrer Bikinifigur… in nur drei Wochen sechs Kilo abnehmen…Je weiter das Jahr fortschreitet und der Sommer immer näher rückt, um so schneller scheint es auch mit der Bikini-Figur zu klappen: Ohne zu hungern in nur zehn Tagen zu ihrer Traumfigur…

Jedes Johr em Sommer jeit dat Spillche widder loss… die Bikinifigur ist aus dem eigenen Körper herauszuschälen. Ist ja in der Regel dadrin versteckt, muss ja nix aufgebaut werden. Vielleicht etwas Form, oder wie sagt man heute: Shape ist angesagt. Hab ich mal gegoogelt: unter Wunderweib.de finde ich folgenden Text:

Shape

Shape

 

Was ist Shape

SHAPE ist das einzigartige Fitness- und Lifestylemagazin für Frauen mit dem Ziel, sie mit Freude in Bestform zu bringen.

 

Was kann Shape

Das inspirierende Konzept deckt alle Facetten im Leben einer aktiven Frau ab. SHAPE ist ein Lebensgefühl und das Must-Have für alle Frauen, die stylish, sexy und fit sein wollen.

 

So ist das also. Shape ist ein Lebensgefühl  Ja, und zwar ein ganz schön beschissenes. Ob das wohl ein Zufall ist, dass man auf der ersten Seite direkt eine Frau in einer Art Bikini sieht? Die ihren Körper shapt? Immer denkt frau, muss sie an ihrem Körper rumfuhrwerken, damit er der Norm, den Erwartungen, dem Ideal, dem Bild der Anderen entspricht. Ist aber auch ihr eigenes Bild, weil frau kein Selbstbild von sich hat. Von klein auf ist das Normbild als unerreichbare, aber ständig
zu-erreichen-versuchende-Größe präsent. Ein Kampf, den frau nicht gewinnen kann.

Heute hat Eva ein date mit Adam. Da die Geschichte noch ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte spielt, hat Eva all die Probleme nicht, die sich einer modernen Eva stellen. Die Frage Was ziehe ich an? Was koche ich meinem Mann? spielen für Eva keine Rolle. Nackt, wie Gott sie schuf, wandelt sie durch den Paradiesgarten. Da sie Spaß am Verkleiden hat, legt sie sich ein Feigenblatt vor das Geschlecht und auf die Brustwarzen. Außerdem steckt sie sich eine Blume in’s Haar. Adam kann kommen. Um sich die Zeit zu vertreiben, und auch weil sie Hunger hat, pflückt sie einen Apfel und beißt herzhaft hinein. Das krachende Geräusch ihres gesundenen Abbisses weist Adam den Weg. Plötzlich steht er vor ihr. Der Augenblick der Erkenntnis ist schön und frei von Scham. Adam, ebenfalls ein Verfechter guter Verkleidung, hat sich auch ein Feigenblatt zwischen die Beine geklemmt. Anstatt vor Aufregung zu rauchen, hat er ebenfalls eine Frucht abgepflückt und schon halb verspeist. Allerdings sehr leise, denn die Passionsfrucht ist weich und ihr Verzehr verursacht lediglich saftige lutschende Geräusche. Als Gott sah, dass Adam und Eva sich gut vertrugen, wurde er ein wenig eifersüchtig. Eigentlich wollte er, dass die Menschen immer an ihn dachten und so säte er Unfrieden zwischen den beiden. Obwohl sie nichts aneinander auszusetzen hatten, fingen sie plötzlich an, am anderen rumzumeckern. Adam war Evas Busen zu klein, die Beine zu kurz, den Apfel, von dem er auch kostete, schmeckte ihm nicht mehr. Eva wiederum fand sein Outfit albern, er hatte zu viele Körperhaare und außerdem schnarchte er zu laut. Gott war zufrieden. Durch ihre Unzufriedenheit begingen sie Fehler, die sie wiederum beichten mussten, um Gott in die Augen schauen zu können.  Ihre Aufmerksamkeit war ihm sicher. So fing alles an. Der Bikini ist nur wieder so eine Laune von Gott, um Adam und Eva Gelegenheit zu geben, einander das Leben schwer zu machen. Adam findet nämlich, Eva sieht im Bikini super aus, Eva findet ihre Beine zu kurz, den Busen zu klein und den Bauch zu dick…