Tageblog 4. Oktober 2016

4. Oktober 1966 Unabhänigkeitstag Lesotho, vormals britisch

Da, ich sehe es schon Die Fahnen von dem Laden. Da bekommen wir alles was wir wollen. Es weht eine rote Fahne, das heißt es gibt Fleisch. Gelbe Fahne bedeutet Maisbier und grün steht für Gemüse. Endlich Essen und Trinken. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs, weil wir auf dem Weg zum Maletsuyane-Wasserfall eine Reifenpanne hatten und erstmal den Reifen wechseln mussten. Endlich dort angekommen, wurden wir für den Zwischenfall aber mehr als belohnt. Atemberaubend ist der Anblick von klarem kaltem, von unbekannter Kraft getriebenem Wasser, das 193 Meter in die Tiefe fällt. Ohrenbetäubend der Lärm. Und das Grün der Pflanzen, die auf den Felsen am Wasserfall wachsen, quietscht in den Augen.
Jetzt quietschen die Bremsen, wir sind vor der kleinen Rundhütte, die als Verkaufshäuschen dient, stehengeblieben. Als wir aussteigen, weht uns ein kalter Wind um die Nase, wie überall hier oben, im Bergkönigreich Lesotho. Die wenigen Einheimischen sitzen draußen vor dem Laden. Sie mustern uns und grüßen freundlich. Sie sind eingeschlagen in die Wolldecken, die hier jeder trägt. Männer, Frauen und Kinder zu jeder Jahreszeit. Sie schützen vor Hitze und Kälte und sind schön bunt. Es ist ein fanastisches Bild, die sitzenden Wolldecken! Jede scheint in ihrem Muster verschiedenen, die Farbpalette ist enorm. Die meisten tragen auf dem Kopf entweder eine Wollmütze oder den typischen Strohhut, mokorotlo genannt. Der Hut ist ein alter Bekannter, er ist nämlich auf jedem einheimischen Nummernschild zu finden und auf der Nationalflagge. Wir grüßen ebenfalls und verschwinden schnell durch die Ladentür. Im Inneren ist es wärmer und die Nase nimmt Fährte auf. Ich rieche Fleisch, Bier, Marihuana und Wolle. Da zieht es mich hin. Auf einem Tisch direkt neben der Verkaufstheke stapeln sich Wolldecken. In vielen verschiedenen Farben und Mustern. Ich will eine haben, aber Hunger habe ich auch. Max und ich zählen unser Geld. Es reicht für zwei Wolldecken, zwei Maisbier und zwei Joints. Da spürt man den Hunger nicht mehr so. Wir sind glücklich und werden auch zu sitzenden Wolldecken. Fest darin eingewickelt komme ich mir vor wie der König vom Bergkönighimmelreich. Nie wieder Jeans Jacke. Die steht dem Verkäufer eh viel besser.

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copyright: lenamueller.net

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Standfoto aus: Die stolzen Reiter von Lesotho, Deutschland 2012

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