Tageblog 9. April 2017

9. April 1872 – In den USA wird ein Patent für das Verfahren zur Herstellung von Trockenmilch erteilt.

 

Milkyway

Am Flughafen von Nairobi werden Nahrungsmittel und Medikamente ausgeladen. Sie werden in die bereitstehenden LKW verteilt, die von dort Kurs auf ihrem Bestimmungsort nehmen.
Badawi und Hakim transportieren Medikamente nach Kibera, einem Slum im Südwesten der Hauptstadt. Das haben sie schon oft gemacht. Sie kennen ihre Route genau und wissen, mit wieviel Begeisterung sie und ihr Wagen immer begrüsst werden. Heute haben sie aber vorher noch etwas zu erledigen. Neben den Medikamenten enthält ihre Ladung auch mehrere Pakete Trockenmilch, mit denen die Mütter für ihre Säuglinge Flaschenmilch herstellen können. Eine gute Sache für Frauen die nicht stillen können. Seit aber sogenannte „Milch-Krankenschwestern“ in weißen Kitteln durch die Slums geistern und die Milch aus Milchpulver als das Beste für die Babies anpreisen, wollen viele Mütter gar nicht mehr stillen. Sie glauben tatsächlich das weiße Pulver sei besser, als das was ihr Körper produziert. Wie Badawis Schwester Shani. Sie hat schon zwei Kinder verloren, weil sie geglaubt hat, mit der Flaschennahrung alles besser zu machen. Aber niemand hat ihr gezeigt wie genau man trinkbare Säuglingsmilch aus diesem Pulver herstellt. Das Wasser, das sie verwendet hat, war natürlich nicht abgekocht und auch Sauger und Fläschchen nicht sterilisiert. Wie auch? Die Kinder sterben an Krankheiten, die durch die unhygienischen Umstände entstehen. Das weiß er alles von Nadja, einer Helferin aus der Schweiz, die bei einer der hier ansässigen NGOs arbeitet. Mir ihr sind sie heute Mittag an der Strecke nach Kibera verabredet.
Nadja sitzt jetzt zwischen Badawi und Hakim im Führerhaus. „Wo sollen wir es machen? Hast du eine gute Stelle ausgesucht?“ Nadja schaut Badawi an und grinst. Er nickt. „Ja, ich glaube die Stelle ist perfekt.“ Sie fahren noch eine Weile Richtung Westen, dann biegen sie auf eine Piste Richtung Norden ab. Nach einer dreiviertelstunde Fahrt hält Badawi den Wagen an. Sie gucken sich an und nicken. Nadja holt eine Postkarte aus ihrer Tasche. Die Abbildung zeigt eine Schneelandschaft in der Schweiz. „So sieht es in den Wintermonaten in der Schweiz aus. Auf den Gipfeln der Berge liegt das ganze Jahr über Schnee.“ „Echt schön,“ sagt Hakim „kommt, wir wollen es versuchen.“ Sie öffnen die Laderampe des LKW und beginnen damit, die Pakete Trockenpulver auf die Rampe zu schieben. Zum Glück haben sie beim Einladen schon darauf geachtet, sie nach vorne zu stellen, sodass die Kisten jetzt schnell vor ihnen stehen. „Erst mal nur drei würde ich sagen. Mal gucken wie’s wird.“ Badawi schneidet mit einem Messer die Deckel auf und positioniert drei Kartons so auf der Laderampe, dass sie in gleichem Abstand zueinander stehen. Alle drei steigen wieder ein und Badawi fäht vorsichtig los. Der unebene Grund lässt die Kisten etwas hüpfen, aber sie bleiben liegen. Das Milchpulver rieselt heraus und macht drei parallel laufende weiße Streifen auf den roten Boden. Sie fahren die Strecke mehrmals hin und her, bis alle Milchkartons alle sind und eine weiße Fläche entstanden ist. Die drei gucken abwechselnd auf die Postkarte und auf die Stelle vor ihnen. Nadja macht ein Foto mit ihrem Handy. „Sieht irgendwie anders aus als in der Schweiz. Aber nicht weniger schön.“ Hakim schnuppert. „Riecht Schnee eigentlich auch?“ „Ja, aber unbeschreiblich. Auf gar keinen Fall süsslich.“ „Los, wir müssen die Rampe noch sauber machen, damit niemand Verdacht schöpft. Was machen wir eigentlich mit den leeren Kartons?“ Badawi guckt die beiden ratlos an. „Wenn du mich in mein Büro fährst, kann ich sie dort entsorgen. Da stellt keiner Fragen. Von Nestlé hält sowieso keiner was. Die sind für viele Probleme in den Krisengebieten mitverantwortlich.“

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