Tageblog 1. November 2016

  1. November  katholischer Feiertag Allerheiligen

 

Sebastian und Ursula

Was machst du da? Mein 17 jähriger Sohn sitzt auf dem Bett und surft im Internet. Ich setze mich neben ihn und lese Ökumenisches Heiligenlexikon.
Musst du noch was für die Schule machen?
Nee. Ich suche nach einem Halloween Kostüm. Die Heiligen sind immer voll krass um’s Leben gekommen. Echt zum gruseln. Hier guck‘ mal: der heilige Sebastian wird von Pfeilen durchbohrt, Achatius wird gekreuzigt und eine ganze Horde wird enthauptet. Viele wurden auch durch einen Schwerthieb durch den Körper getötet. Finde ich auch voll cool. Für Frauen finde ich die geräderte Katharina oder die mit den abgeschnittenen Brüsten, Agnes, glaube ich, interessant. Er grinst mich von der Seite an.
Nein danke.
Ich hatte genug gehört. Halloween ist ja nicht so mein Fest, weißt du ja. Allerdings, war Maria auch eine Heilige? Dann suche ich mir die aus. Irgendwo rumstehen oder sitzen in einem schönen Kleid und einer Babyborn auf dem Arm kriege ich hin. Und jetzt mach‘ mal hier Schluss. Du musst in’s Bett.
Am nächsten Morgen beim Frühstück frage ich Paul, ob er sich entschieden hat. Für einen Märtyrertod.
Ja, ich habe mir den mit Pfeilen durchbohrten Sebastian ausgesucht.
Wow,
sage ich, der hat ja in allen künstlerischen Darstellungen von seinem Martyrium  einen super Body! Leider mir Pfeilen drin. Und ganz schön nackig. Ist das nicht ein bißchen kalt? Hier guck mal

Tizian: Hl. Sebastian (um 1570) Eremitage, St. Petersburg

MantegnaHlSebastianWien.jpg

Andrea Mantegna: Hl. Sebastian (1459/60), Wien Kunsthistorisches Museum

Paul grübelt. Ich dachte, du könnest mir einen Ganzkörper-Body nähen. Der an den richtigen Stellen gepolstert ist.
Ja, das kann ich.
Die Sache began mir Spaß zu machen. Die Pfeile setzen darf ich dann auch, gell? Aber das wird ja ein recht einsamer Abend für dich, da müssen ja alle auf Abstand bleiben.
Ja, ich glaube die Variante von diesem Tizian finde ich auch besser. Da ist man nicht so mega gespickt.
Ja, ich kann die Pfeile auch so einsetzen, dass du sie bei Bedarf abnehmen kannst.
Am Tag nach Halloween schläft Paul lange. Ich bin total ungedulgig, weil ich wissen will wie es war mit dem störrischen Kostüm. Als ich vom Friedhof komme, sitzt Paul mit einem mir unbekannten Mädchen am Frühstücksstisch. Mama, das ist Fiona. Sie war als Heilige Ursula verkleidet. Die ist auch durch einen Pfeil um’s Leben gekommen. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

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