Tageblog 27. August 2016

27. August 2016 Besuch im Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseum

 

Für Louise

Es  wird einmal gewesen sein. Es war einmal eine junge hübsche Literaturstudentin, die immer eine rote Kappe trug. Ihr Vater nannte sie zärtlich rote Abetare, die rote Belesene. Sie war die schönste Literaturstudentin unter der Sonne. Eines Tages lernte sie beim Blumen pflücken auf dem Weg zu ihrer Großmutter einen Jäger kennen und verliebte sich unsterblich in ihn. Aber ihrem Vater, der für seine Tochter einen Studenten wünschte, passte das gar nicht. Er fand den Jäger viel zu alt, denn er wünschte sich einen jungen, gutausehenden, knackigen Sportstudenten als Schwiegersohn, wie zum Beispiel Fabian Hambüchen, der ihm bei der Olympiade in Rio positiv aufgefallen war. Immerhin hatte er eine Goldmedaille gewonnen. Die fehlte dem Königshaus noch in seiner Vitrine. So gab es einen Brautwettbewerb. Es gab viele Bewerber, da die Braut so schön und klug war, dass jeder mit ihr liiert sein wollte. Da der Vater nicht dumm war und für seine Tochter nur das Beste wollte, sollte der Zukünftige nicht nur gut aussehen, sondern auch lebenstauglich sein.  Der Wettbewerb bestand aus drei Runden. In der Ersten mussten die Kandidaten für die schöne Abetare ein 10-Gänge Menü zubereiten. Nicht nur die Tochter, sondern auch die Hofköche prüften Geschmack und Qualität des Essens. Zum Glück hatte der Jäger vor seiner Jägerausbildung Koch gelernt. Sein Menü war mit Abstand das beste und schmackhafteste, sodass er als Sieger aus dieser Runde hervorging. In der zweiten Prüfung wurde das handwerkliche Geschick auf die Probe gestellt. Die Männer mussten einen Elektroherd anschließen, ein Dach neu decken, ein Fass Bier anschlagen und eine Hecke schneiden. Leider starb der Lieblingskandidat des Königs bei dem Versuch den Herd anzuschließen bei einem Stromschlag. Zum Glück lebte der Jäger in einem eigenen Haus mit Garten und die Arbeiten waren ihm alle vetraut. Da er regelmäßig seine Jägerkollegen zum Bier saufen einlud, war die Aufgabe „ein Bierfass anschlagen“ pipifax. Die dritte und letzte Aufgabe war natürlich die Schwierigste. Die Heiratswilligen mussten Babies wickeln, Nächte mit schreienden Kindern verbringen, mit Lego, PLAYMOBIL, Barbie und Pokémon spielen. Außerdem mussten sie mit kleinen Kindern essen gehen und mit Kindern im Trotzalter einkaufen. Es war tatsächlich ein Härtetest. Es trennte sich die Spreu vom Weizen. Einige der jungen Kerle rümpften beim wickeln die Nase und verpissten sich. Andere wollten doch lieber selbst schlafen als Kinder herumzutragen. Beim Einkauf hatte der ein oder andere nur verbotene Lebensmittel ( Cola, Eistee, Schaumerdbeeren, Schaumwaffeln, Erdnussbutter, Toastbrot, Nutella, Milchschnitte, Fruchtzwerge…) im Einkaufswagen. Zum Glück war der Jäger allein erziehender Vater. Das Wickeln ging ihm ganz leicht von der Hand, in seinen Armen beruhigten sich die Kinder und schliefen ein und in seinem Einkaufswagen fanden sich ausschließlich Obst und Gmüse aus biologischem Anbau, auch sonst viele Bioprodukte und dem Trotzanfall geschuldet eine Tüte Gummibären. Natürlich gab es auch noch die Tafel Lieblingsschokolade für Abetare. Denn sie vergaß er, trotz der hohen Anforderungen, nie. So schien der Jäger als Sieger festzustehen, aber so leicht wollte sich der Vater nicht geschlagen geben. Er legte eine Erbse unter die 19 Matrazen, auf denen seine Tochter schlief und warte ab, was passieren würde. Am nächsten Morgen rief sie mit ihrem Handy den Jäger an, weil sie die ganze Nacht kein Auge zugetan hatte. Er kam sofort auf seinem Fahrrad angesaust und schaute unter die Matrazen. Er kannte nämlich das Märchen Die Prinzessin auf der Erbse. Er entfernte die Erbse und dann legten sie sich gemeinsam wieder oben drauf. Der vorbildliche Jägersmann hatte natürlich Kondome dabei und nachdem sie tollen Sex hatten, schliefen sie zufrieden ein. Als der Vater das sah, war auch er überzeugt. Der Jäger, der im Schießwettbewerb seinerzeit bei Olympia auch schon einmal eine Goldmedaille gewonnen hatte, schenkte sie dem König als Zeichen seiner Zuneigung. Es wurde nicht lange gefackelt und für das kommende Wochenende wurde das Hochzeitsfest angesetzt. Es war ein rauschendes Fest, bei dem die Bremer Stadtmusikanten sangen und der Froschkönig als Trauzeuge die Ringe aus dem Brunnen hochholte. Es gab Essen, Trinken und Kondome im Überfluß und alle amüsierten sich prächtig.
Jahre später, als es nicht mehr so lief mit dem Jäger, bändelt Abetare mit dem gestiefelten Kater an. Aber das ist eine andere Geschichte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

 

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