Tageblog 31. Januar 2017

31. Januar 2017   Rückwärts-Tag – der amerikanische National Backward Day

… Pippi ging die Straße entlang. Sie ging mit dem einen Bein auf dem Bürgersteig und mit dem anderen im Rinnstein. Thomas und Annika schauten ihr nach, solange sie sie sehen konnten. Nach einer Weile kam sie zurück. Aber jetzt ging sie rückwärts. Das tat sie, damit sie sich nicht umzudrehen brauchte, wenn sie nach Hause ging. Als sie vor Thomas‘ und Annikas Gartentür angekommen war, blieb sie stehen. Schließlich fragte Thomas:
„Warum bist du rückwärts gegangen?“
„Warum ich rückwärts gegangen bin?“ sagte Pippi. „Leben wir nicht in einem freien Land? Darf man nicht gehen, wie man möchte? Übrigens will ich dir sagen, daß in Ägypten alle Menschen so gehen, und niemand findet das auch nur im geringsten merkwürdig.“…

(Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf, Pippi zieht in die Villa Kunterbunt ein)

Ich finde merkwürdig, was gerade in Amerika vor sich geht. Ist das noch ein freies Land? Kann man dort noch gehen wie man möchte?
An Donald Trump und alle rückwärts gewandten Anhänger: Piss off sonst geht es nicht voran.

Tageblog 30. Januar 2017

letzter Montag im Januar
30. Januar 2017 Tag der Luftpolsterfolie in den USA

Hauptsache es knallt

Sollen wir noch ein bißchen was auspacken? Wenigstens ein paar Sachen für die Küche. Dann können wir morgen früh schon richtig frühstücken. Mit Besteck aus der Schublade, Teller aus dem Schrank und Saft aus dem Kühlschrank. Auf jeden Fall muss ich die Expresso Maschine anschließen. Den ersten richtigen Kaffee in der neuen Wohnung. Ich freue mich drauf. Hans beugt sich über einen Umzugskarton und holt einen Stapel Teller raus, die mit Zeitungspapier eingeschlagen sind. Björn macht sich an einem anderen Karton zu schaffen. Was ist den hier drin? Das ist alles voller Folie. Es steht nichts drauf. Hast du das eingepackt? Hans guckt hoch. Ehm, ja, ich glaube da gibt es ein paar Kisten von. Da sind die ganzen Lampen drin, die habe ich alle mit Luftpolsterfolie umwickelt, damit sie heil ankommen. Ich habe allen eine Glühbirne an der Seite draufgemalt. Musst du mal gucken. Ich weiß gar nicht, ob wir die hier alle brauchen können. Hast du den Karton mit den Gläsern gesehen? Björn schüttelt den Kopf und fängt an die Lampen auszupacken. Eine ganze Weile sind beide mit ihren Kisten beschäftigt, als Hans auffällt, dass Björn gar nicht mehr da ist. Björn, wo bist du? Ich muss dich mal etwas fragen wegen dem Einräumen der Töpfe. Welchen Schrank findest du besser? Keine Antwort. Hans geht Richtung Schlafzimmer. Es gibt einen kleinen Spalier aus Lampen, die Kartons liegen kreuz und quer dahinter. Björn? Hans stupst die Tür ein wenig zurück. Der Raum wird erhellt durch Kerzenschein. Auf dem Bett liegt, wie Bettwäsche, eine Zudecke und Kopfkissen aus Luftpolsterfolie. Björn selbst liegt nackt zwischen Folien-Betttuch und Folien-Bettdecke. Bevor wir Töpfe einräumen, können wir doch noch etwas anderes machen. Björn grinst und steht auf. Er wickelt sich die Folie um die Hüfte und kommt zu Hans an die Tür. Was ist? Er lässt seine Decke fallen und fängt an an Hans rumzufummeln. Er zieht ihm das T-Shirt aus und als Hans nackt dasteht, legt er ihm die Folie um den Körper und beginnt mit seinem Mund die Blasen zu zerdrücken. Ich hab‘ auch Noppengummis. Hauptsache es knallt.

Tageblog 29. Januar 2017

29. Januar 1993 – Die Bundespost veröffentlicht die ab 1. Juli geltenden fünfstelligen Postleitzahlen.

Für H.E.

postleitzahlen

oft fuhr ich von 50 nach 10
einmal war ich sogar in 01, noch vor 1989 grau und kalt war es, es war Februar
im Osten eh viel schlimmer, der Winter
als im Westen, dort ist die Frauenarbeitslosigkeit höher
in 79 die meisten Sonnenstunden
da wohnt meine Schwester
eine Freundin in 53, eine andere in 80

von 1985 bis 1987 in der Briefsortierung bei der Post
vor dem Spind die 50er Reihe in der Mitte
links abwärts in den Norden
rechts aufwärts in den Süden
ganz oben links Berlin
ganz unten rechts tiestes Bayern

Eilsendungen
Ausland
DDR
alle extra Fach
werden extra aussortiert

Porta Westfalica 4952
Hagen 5800
Oberstdorf 8980
Berlin 1000
Timmendorfer Strand 2408

Was ist eigentlich 50348?

Tageblog 28. Januar 2017

28. Januar 2015 – Per Samenspende gezeugte Kinder haben grundsätzlich ein Recht darauf, den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren, entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

 

Jan radelt zu seinem Job. Coole Sache. Alle zwei Wochen kann er auf der Samenbank Sperma abgeben und bekommt als Gegenleistung 85 € pro Röhrchen. Im Monat hat er so 170 € zusätzlich. Für zweimal wichsen. Besser geht es eigentlich nicht. Aber seit er mit Monique zusammen ist, findet er das irgendwie komisch. Aber auch super. Er denkt  immer an den Sex mit ihr, dann ist der Job im nullkommanix erledigt. Paul meint, Jan soll seinen Nebenjob aufgeben. Oder es ihr sagen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dann geht. Oder sie ihm sagt, er soll den Job aufgeben.
Jan steigt vom Rad und läuft die Treppen hoch. Er geht durch die Drehtür, fährt mit dem Aufzug in den zweiten Stock. Er klingelt, der Summer ertönt, die Tür öffnet sich und beim Eintreten hört er schon die freundliche Stimme von Frau Hammes Gutem Tag, Herr Kessler, Sie können schon in die Kabine gehen, Schwester Gaby kommt gleich zu Ihnen. Toll, wie ein beliebter Stammkunde wird er hier begrüßt, denkt Jan. Schade, wenn er das aufgeben müsste. Aber, man soll vor jeder Spende ein paar Tage keinen Samenerguss gehabt haben, damit der Samen die optimale Qualität hat. Deswegen sieht er Monique auch in so einem komischen Rhythmus. Denn wenn er sie sieht, dann knallt es auch. Also darf er sie nicht sehen. Aber vorstellen tut er sie sich trotzdem. Ja, der Job verlangt ihm einiges ab. Vielleicht doch aufhören? Aber was dann machen? Vielleicht Katzensitter. Hallo Herr Kessler, wie geht es Ihnen? Alles in Ordnung? Haben Sie schon Urin abgegeben? Jetzt nehme ich  erst einmal Blut ab und dann pinkeln Sie noch in den Becher. Stellen Sie ihn dann wie immer in die Ablage, ich habe ihn schon beschriftet. Jan spürt das Pflaster in der Armbeuge, nimmt den Plastikbecher mit seinem Namen und geht auf die Toilette. Er stellt den Becher auf den Fußboden, zieht die Hosen runter, nimmt seinen Schwanz in die Hand und zielt genau in den Becher. Bevor er überläuft, schwenkt er rüber in die Kloschüssel. Den Urinstreifen wischt er mit ein paar Papiertüchern auf, die er ebenfalls in die Toilette wirft. Das Wasser steigt, weil das Papier eine Verstopfung verursacht. Vollgesogen mit Wasser wird es immer geschmeidiger und macht den Abfluss schließlich frei, als er mit einem Ruck  verschwindet. Jan kann die Augen kaum abwenden von dem Schauspiel. Er schließt den Klodeckel und stellt den Becher in die Ablage. Er hat die Hosen immer noch nicht hochgezogen und betrachtet sich im Spiegel.  Ob wohl schon Kinder mit seinem Sperma gezeugt wurden? Jungs, die auch so super zielen können? Oder Mädchen, die auch rötliche Haare haben? Er kommt nun schon seit zwei Jahren regelmäßig hierher, da war bestimmt schon ein Treffer dabei. Jan wird ganz sentimental. Vielleicht habe ich meine Eltern schon zu Großeltern gemacht? Sein Handy summt. Monique, nein mit ihr wollte er jetzt nicht sprechen. Er lässt das Telefon zu Ende klingeln, dann hört er das Geräusch für die eintreffende SMS. Er hält das Handy an sein Ohr Hallo, hier ist Monique. Wo steckst du? Ich habe eine tolle Idee für übernächstes Wochenende, oder musst du schon wieder zu einem meeting? Zur Not könnte ich ja mitkommen, oder arbeitest du auch nachts? Ruf‘ mich an, wenn du das hörst, ich will dir den Vorschlag nicht auf die mailbox quatschen. Ciao, bello. Es folgen ein paar Küsse und Schmatzgeräusche. Jan bekommt einen steifen Schwanz und besorgt es sich gleich vor dem Spiegel. Diesmal nicht für die Medizin, sondern für den Abfluss. Jan zieht sich wieder an. Mit prüfendem Blick verlässt er den Nassraum und geht zurück zur Rezeption. Frau Hammes, irgendwie fühle ich mich nicht recht wohl. Vielleicht ist es ein Magen-Darm-Virus oder ich habe etwas Falsches gegessen. Ich muss meine Spende heute zurückziehen. Ich hoffe, das geht in Ordnung. Aber ich muss jetzt auf schnellstem Wege nach Hause. Oh, Herr Kessler. Das tut mir aber leid.  Soll ich Ihnen ein Taxi rufen? Aber ich habe gleich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. So lange waren Sie noch nie auf Toilette. Das geht bei Ihnen ja immer ganz schnell. Taxi? Nein, das ist nicht nötig. Ich habe den Wagen unten geparkt. Danke, nochmal und entschuldigen Sie mich bei Schwester Gaby.
Jan nimmt die Treppe und rast nach unten. Auf der Straße angekommen atmet er erst einmal tief durch. Vielleicht sollte er seine Eltern tatsächlich zu Großeltern machen. Ab sofort immer dafür und nicht drei Tage Enthaltsamkeit üben, im Gegenteil. Drei Tage lang ständig Sex  und die anderen vier Tage der Woche fast ständig Sex. Er drückte auf Rückruf Monique, ich bin’s. Wo ich war? Ich war gerade mit meinem Arbeitskollegen Max einen Kaffee trinken. In dem Laden auf der Ecke. Als du anriefst war ich gerade auf Toilette, das Handy hatte ich auf dem Tisch liegenlassen. Also, was gibt’s so Tolles? Ich habe übrigens Zeit. Unsere meetings gibt’s nicht mehr. Die Chefin hat ein neues Seminar über Mitarbeiterführung gemacht, jetzt gibt es eine neue Strategie. Mehr Homeoffice. Ja, super. Finde ich auch. Heute abend essen gehen? Ja von mir aus. Okay, 19:30 Uhr bei Enzo, aber dann erzähst du mir alles. Und ich erzähle dir was zum Homeoffice. Bis später. Jan geht zu seinem Fahrad. Während er es aufschließt guckt er an der Fassade hoch. Oben am Fenster der Samenbank steht Schwester Gaby. Jan winkt.

Tageblog 26. Januar 2017

26. Januar 2007 – Die UN-Vollversammlung erteilt allen Leugnern des Holocausts eine klare Absage. In einer Resolution spricht sich das Gremium dafür aus, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten und somit neuen Völkermorden vorzubeugen. Iran kritisiert als einziges Land die Initiative

 

Nicht nur der Holocaust
auch der Völkermord an den Herero und Nama 1904
muss erinnert werden
um wach zu halten

um wach zu bleiben
muss gekämpft werden
konkret an Orten
nicht nur mit dem Gewissen