Tageblog 14. Februar 2017

14. Februar 1918 – In Russland wird der Julianische durch den Gregorianischen Kalender abgelöst, der auch in den Ländern Westeuropas gilt.

Kinderträume

Warum fährst du eigentlich jedes Jahr im Januar für ein paar Tage nach Russland? Hast du da Freunde oder Verwandte? Peter sitzt im Kaffeehaus seinem Freund Max gegenüber und schaut ihn fragend an. Max rührt in seinem schwarzen Kaffee und wirkt verlegen. Er streut etwas Zucler in die Tasse und rührt weiter. Ach so, ist dir das aufgefallen? Wenn ich dir das jetzt sage, darfst du aber nicht lachen oder blöd gucken. Es ist wegen Weihnachten. Peter guckt blöd. Wegen Weihnachten? Wie meinst du das? Max rührt immer noch und gibt einen Schuß Milch dazu. Na ja, für mich war Weihnachten immer das tollste Fest im Jahr. Klar, wegen der Geschenke, aber ich mag auch die Stimmung. Der Geruch von Tannengrün und Kerzen und die Kirchen sind an Weihnachten voll. Der Gesang, der durch den Kichenraum hallt, ist gewaltig. Ich würde das Gefühl gerne festhalten, aber hier geht alles wieder schnell zur Tagesordnung über.  Peter grinst. Er arbeitet in einem großen Warenhaus und weiß wie verkaufsintensiv die Tage nach Weihnachten sind. Das ganze geschenkte Geld und die vielen Gutscheine wollen alle gegen Wünsche eingetauscht werden. Max starrt auf seinen mittlerweile kalten Kaffee und fährt fort  Als ich mitbekommen habe, dass es verschiedene orthodoxe Kirchen gibt, die sich an dem julianischen Kalender orientieren, der dem gregorianischen 13 Tage hinterherläuft, habe ich kapiert, dass dort das Weihnachtsfest gefeiert wird, wenn bei uns schon der Fokus auf Karneval liegt. Deswegen bin ich jedes Jahr in Russland. Ich habe mir eine dicke Pelzmütze mit Ohrenklappen zugelegt, denn es ist kalt und Schnee gibt es auch. Natürlich feiern die Russen auch anders. Die Messe dauert viel länger und endet in einer Lichterprozession. Danach gibt es erst das Weihnachtsessen. Da ich schon so lange immer in das gleiche Hotel fahre, hat mich der Portier in seine Familie aufgenommen.  Max schaut auf. Weiße Weihnacht mit viel Weihnachtsstimmung. Das ist der Grund.
Peter ist ganz rot im Gesicht. Er bestellt sich einen Cognac. Willst du auch was trinken? Mit Blick auf Max‘ Tasse Vielleicht noch einen Kaffee und auch einen Cognac? Max nickt. Jetzt verrate ich dir, was ich jedes Jahr in der Karnevalswoche mache. Die offizielle Version lautet, dass ich Karnavalsmuffel bin und mich für eine paar Tage in einen norddeutschen Winkel zurückziehe, indem es garantiert keine Karnevalsaktivitäten gibt. In Wirklichkeit fliege ich nach Rio und tanze bei einer Sambaschule mit. Das ist für mich das Größte. Schon seit ich klein bin, ist das mein Traum. Während meine Arbeitskollegen in’s Fitnessstudio rennen, gehe ich in die Tanzschule. Mehrmals in der Woche.
Beide starren aus dem Kaffeehausfenster auf die Straße. Schneeflocken tanzen durch die Luft und setzen sich auf den Hut des Gardemajor, der die Straße überquert.

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